Johanniskraut – ein Naturheilmittel gegen Zahnfleischentzündung?

2. Mai 2012

Hypericum perforatum, das Johanniskraut ist bekannt als mild wirkendes Antidepressivum.

Es ist aber wohl auch wirksam gegen Parodontitis. Laut einer an Tieren durchgeführten Studie wurden nach einer entsprechenden Behandlung deutlich weniger weiße Blutkörperchen im entzündeten Zahnfleischgewebe vorgefunden, was auf einen geringeren Entzündungsgrad schließen lässt. Darüber hinaus verringerten Johanniskrautgaben den Abbau des Kieferknochengewebes im entzündeten Bereich. Die Carstens Stiftung, die diese Ergebnisse veröffentlichte, bleibt aber erst einmal skeptisch: “Formal hat die Studie einige Schwächen im Design und der Darstellung der Ergebnisse, und es bleiben auch Detailfragen offen. Die dargestellten Unterschiede zwischen Placebo- und Johanniskrautbehandlung sind jedoch so groß, dass sich weitere Untersuchungen lohnen. Am Ende fehlt natürlich noch der Beweis für eine Übertragbarkeit der Ergebnisse auf den Menschen.” Zitat der Carstens-Stiftung, 4.6.2011

Schon im Mittelalter war Johanniskraut als Wundheilmittel und als Antiphlogistikum bekannt und wurde von u.a. von Diuskurides und Hippokrates empfohlen. Begeisterte Anerkennung fand es auch bei Paracelsus, der es äußerlich als schmerzlinderndes, namentlich aber bei Wunden empfiehlt. Vgl. Madaus, Lehrbuch der Biologischen Heilmittel, Band 2, S. 1588-1589. Die pharmakologische Forschung hat die entzündungshemmenden Eigenschaften bestätigt und dies durch die spezielle Wirkstoffkombination von Gerbstoffen und Flavonoiden erklärt. Allerdings scheinen sich die Pharmakologen auch einig zu sein, dass nur dem ölhaltigen Pflanzenauszug entsprechende deutliche antiphlogistische Eigenschaften inne wohnen:

Frohne, Heilpflanzenlexikon: “…ein Auszug aus der ganzen blühenden Pflanze mit fettem Öl dient als Wundheilmittel….”

Saller/Reichling/Hellenbrecht, Phytotherapie: “…Ölige Hypericum-Zubereitungen wirken antiphlogistisch…” und beziehen sich dabei auf die offizielle Pflanzen-Monografie der Kommission E.

Etwa 23 Millionen Deutsche zwischen 35 und 74 Jahren sollen laut der Carstens-Stiftung an Paradontitis leiden, die unbehandelt mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Herzerkrankungen, Diabetes und Risikoschwangerschaften einhergeht. Da lohnt sich doch allemal der Versuch mit Johanniskrautöl-Mundspülungen. Probieren wir es aus…

Akupunktur nach den Prinzipien der Traditionellen Chinesischen Medizin

7. Februar 2012

In seinem Buch “Ratschläge für den Akupunkteur” hat sich der mittlerweile verstorbene August Brodde zur Qualität in der Akupunkturtherapie geäußert und bezieht sich dabei auf historische Quellen:

Man kann auf mehrere Arten akupunktieren:

1. Die Locus-dolendi-Behandlung:

Das geschieht durch bloßes Anstechen schmerzhafter Punkte (=locis dolendi). Diese primitive Methode mag ursprünglicher Ausgangspunkt der Akupunkturerfahrung sein und kann in gelegentlichen, akuten Schmerzsituationen nützen. Mit Überlegungen zur Störfeldtheorie wird sie zur „akupunktierenden Neuraltherapie“.

2. Durch den “Gesang des grünen Jadedrachens”

Durch Stechen nach festen Regeln: Zu dieser Krankheit ist jene Punktkombination zu wählen. Das Handeln ist akupunkturspezifischer. Zu allen Zeiten hat es in China das Bedürfnis nach dem rasch (und daher weniger gründlich) ausgebildeten Akupunkteur der „täglichen Praxis“ gegeben, der in ausreichender Anzahl vorhanden war und die Versorgung der Bevölkerung in erster Stelle sicherstellte. Auch bei uns ist es eine häufige Art, Akupunktur zu praktizieren.

3. Akupunktur nach energetischen Richtlinien

Durch Auswahl der anzustechenden Akupunkturpunkte nicht nur nach Symptomen, sondern auch nach Überlegungen über den Zustand der Lebensenergie des Patienten und ihre Verteilung in den verschiedenen Meridianen; eine hohe Kunst, die seit dem grauen Altertum bis in die Neuzeit die besten Akupunkturärzte des asiatischen Raumes bewegte.

So sieht man es auch heute noch:

  • Der „kleine Arbeiter“, der lediglich Schmerzpunkte sucht und ansticht (man sollte vorsichtshalber noch Novocain dazu spritzen, damit es besser wirkt).
  • Der „mittlere Arbeiter“, der in einer Reihe von Kursen eine solide Punktkenntnis erworben hat, diese nach Symptomen und Syndromen ordnen und anwenden kann und damit viel Gutes tut. Ein Akupunkteur der täglichen Praxis, dem aber letztlich manche Einsicht verschlossen bleibt.
  • Und der „große Arbeiter“, der nach den Vorstellungen der Kunst dem Walten von Yang und Yin nachspürt; Qualität, Quantität und Verhalten der „Lebensenergie“ eruiert und daraus die Konsequenzen zieht im Einklang mit den klassischen Regeln, die als überlieferte Summe vieltausendjähriger Erfahrung den Umgang mit der Krankheit innerhalb der Natur, in der sie sich darstellt und vollzieht, gestatten. Er ist nicht nur Könner (wie meist der „mittlere“), sondern auch Sucher.

Vgl. Brodde, Ratschläge für den Akupunkteur, Richard-Pflaum-Verlag, München 1976, S.9-11

Die Carstens-Stiftung wird 30 Jahre alt

7. Februar 2012

Der ehemalige Bundespräsident Prof. Dr. Karl Carstens gründete zusammen mit seiner Frau Dr. med. Veronica Carstens im Jahre 1982 diese Stiftung. Im Laufe der vergangenen 30 Jahre hat sich diese Institution zu einem von der Pharmaindustrie unabhängigen und objektiven Förderer der Heilpflanzenkunde entwickelt. Die Carstens Stiftung sammelt weltweit die aktuellen wissenschaftlichen Veröffentlichungen über Untersuchungen von Heilpflanzenwirkungen und unterwirft sie einer kritischen Prüfung. Nur die wenigsten Meldungen halten der strengen Kontrolle stand. In den vielen Fällen werden beispielsweise Fehler in der wissenschaftlichen Vorgehensweise entdeckt, oder es wird moniert, dass die Ergebnisse von Arzneiprüfungen am Tier uneingeschränkt auch für Menschen gelten sollen.

Die Veröffentlichungen der Carstens-Stiftung stehen nicht in dem Ruf, von den Herstellern biologischer Arzneimittel gespronsort zu sein und sind neben denen der Ärztezeitung für mich die wichtigsten Quellen für den Heilpflanzenblog: www.carstens-stiftung.de

“Homöopathie für Garten und Landwirtschaft”: eine wichtige Neuerscheinung

6. Februar 2012

Es ist meines Wissens das Einzige dieser Art. Oft schon wollte ich homöopathische Mittel im Garten probieren, wusste aber nicht genau, wo ich bei der Symptomatik der Pflanzenkrankheiten ansetzen sollte. Der Autor des Buches “Homöopathie für Garten und Landwirtschaft – Die homöopathische Behandlung von Pflanzen”, V. Das Kaviraj , hat seine langjährigen praktischen Erfahrungen in das Werk einfließen lassen. Auszug aus einem Vorwort der Herausgeber (Narayana Verlag):

“Mit seinem zunächst in Australien erschienenen Buch beschreitet Herr Kaviraj völlig neue Wege im Pflanzenschutz. Aus seinen langjährigen Erfahrungen als Homöopath zog er Parallelen zwischen Pflanze und Mensch und übertrug seine Kenntnisse auf die Behandlung von Pflanzen. Erstaunliche Erfolge führten ihn zu weiteren Studien und Recherchen in diesem Gebiet, deren Ergebnis das vorliegende Buch ist. Auf diese Weise konnte er für viele Problembereiche des landwirtschaftlichen Anbaus passende Mittel finden, durch die Herbizide und Insektizide eingespart oder gar überflüssig werden.”

Das Buch selbst ist an manchen Stellen wohl etwas langatmig, und man kommt sich vor wie im Chemie- bzw. Ökologieunterricht. Aber dessen ungeachtet ist es eine wahre Fundgrube für alle Verzwiefelten, denen die Launen der Natur häufiger die Ernte im Garten vermiesen. Die Angaben warten natürlich auf eine Bestätigung durch unsere eigenen Versuche. Meine ersten positiven Ergebnisse bei der Behandlung des Birnengitterrostes mit Aconitum-Verdünnungen sind vielversprechend.

Professor Jürgen Reichling und die pharmazeutisch-biologische Forschung

5. Februar 2012

Jürgen Reichling ist Professor am Institut für Pharmakologie und Molekularbiologie der Universität Heidelberg und bekannter Fachbuchautor. Zu seinen bekanntesten Publikationen gehören die Titel

  • “Phytopharmazie und Phytotherapie”, bereits in der 9. Auflage und
  • “Phytopharmaka”, in der 7. Auflage erschienen.
  • Besonders erwähnenswert ist auch sein Buch über „Heilpflanzenkunde für Tierärzte“, dass u.a. auch R. Gachnian-Mirtscheva, eine der herausragenden Fachautoren für Veterinärheilpflanzenkunde als Co-Autorin aufführt.
  • Interessant dürfte auch die neuste Publikation sein, für die er als Co-Autor aufgeführt wird: Schnitzler, P., Astani, A., Reichling J.: Antiviral Effects of Plant-Derived Essential Oils and Pure Oil Components. Lipids and Essential Oils as Antimicrobial Agents, Halldor Thormar, Wiley and Sons (2011). Es bleibt zu hoffen, dass eine baldige deutsche Übersetzung folgt. Die neusten Ergebnisse von Untersuchungen über antivirale Wirkungen von Heilpflanzenauszügen und ätherischen Ölen werden sicherlich für eine breit gestreute Fachleserschaft interessant sein.
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