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Rötung der Nasenspitze mit Schmerzen

Montag, 25. Mai 2009

Ein symptomenarmer Fall
Ein Patient klagt über rezidivierende Beschwerden an der Nase. Jedes Mal, wenn er sich Krusten aus der Nase im Bereich der Nasenspitze entfernt, kommt es zwei Tage später zu folgender Symptomatik:
Müdgkeit, Abgeschlagenheit, dann Rötung der Nasenspitze mit lokalen Schmerzen, wenn die Nasenspitze berührt wird. Das Ganze klingt dann nach einigen Tagen wieder ab.

Damit kann man wenig anfangen. Offenbar wird durch die mechanische Reizung der Schleimhaut an der Nasenspitze ein entzündlicher Prozess in Gang gesetzt. Und diese Symtomatik wiederholt sich häufiger, so dass an eine lokale Infektion durch Verunreinigung (der Hände) nicht zu denken ist. So etwas kann einmal passieren, sich aber wohl nicht in schöner Regelmäßigkeit wiederholen.

An Alkoholfolgen ist auch nicht zu denken, das passt nicht zum Patienten, außerdem wäre eine alkoholbedingte Rötung schmerzlos. Herpes-Infektion? Auf die Frage, ob der Patient manchmal unter Herpes-Ausschlägen an der Lippe leiden würde, bejaht er das.

Ich repertorisiere kurz im Beisein des Patienten: Rötung der Nasenspitze und Schmerzen. Die Müdigkeit und Abgeschlagenheit lasse ich weg, das ist mir zu undifferenziert (Müdigkeit = über 300 Mittel).
Rhus tox wird bei beiden Symptomen genannt. Auch die Beschreibung im Boericke passt ganz gut zu den Beschwerden des Patienten. Ich verabreiche ihm 2 x eine Dosis D30. Nach 4 Wochen kommt die Meldung, dass es nicht besser wurde. Die Rötung heilte nach einigen Tagen ab wie immer und jetzt wäre sie wieder da – mit gleicher Symptomatik.

Dieses Mal beziehe ich die Müdigkeit und Abgeschlagenheit in meine Überlegungen mit ein. Ich entscheide mich, davon auszugehen, dass es sich um wiederkehrende Herpes-Ausschläge handelt und repertorisiere in diese Richtung. Es wurde ein voller Erfolg. Nach 2-maliger Gabe des herausgefundenen Mittels ist die Symptomatik bis heute nicht mehr aufgetreten.

Benutzt habe ich das Synthesis 9.1 und die Arzneimittellehre von Boericke.

Um welches Mittel könnte es sich gehandelt haben?
Auflösung später.

Liebeskummer, Auflösung des Falles

Montag, 18. Mai 2009

Natürlich kam nat-m an die 1. Stelle.

Von repertorisierten Symptomen sind 6 Gemütssymptome und nur 2 körperlicher Art. Meist ist es ja umgekehrt.

Hierbei aber stellen die Gemütsbeschwerden die eigentlichen lokalen Hauptbeschwerden dar. Und die beiden Körpersymptome fungieren nur als Begleitsymptomatik, sozusagen um die Gemütssymptomatik zu differenzieren.

Das emotionale Beschwerdebild besserte sich nach zwei Gaben nat-m D30 prompt. Die Hautausschläge blieben allerdings bestehen, stören aber nicht weiter. Es sind zwei harte, 1 Euro-Stück große ringförmige und nicht juckende, rötliche Ekzeme an der hinteren Seite des Oberarms, knapp oberhalb des Ellenbogens. Schulmedizinisch ist der Ausschlag nicht abgeklärt worden, wahrscheinlich handelt es sich um eine lokal begrenzte Schuppenflechte.

liebeskummer

Liebeskummer – Repertorisation mit dem Synthesis 9.1 / Auflösung später

Freitag, 15. Mai 2009

Die Freundin eines jungen Mannes hatte  “mit ihm Schluss gemacht”. Das macht ihm erheblich zu schaffen. Es entwickeln sich Gemütssymptome und auch körperliche Beschwerden. Hierbei sind die körperlichen die Begleitsymptome der Gemütsbeschwerden, die im Vordergrund stehen und die behandelt werden sollen.

Der Patient leidet still vor sich hin, seine Reaktionen sind sehr verhalten. Nur seine starke Launenhaftigkeit fällt auf, er ist sehr mürrisch und grübelt vor sich hin. Der junge Mann sieht sehr blass aus. Außerdem hat sich in den letzten Tagen ein Ekzem am Ellenbogen entwickelt.

Folgende Symptome werden repertorisiert:

Beschwerden durch Kummer

Stiller Kummer

Beschwerden nach enttäuschter Liebe

Brütet, grübelt

Launenhaftigkeit

Blasse Gesichtsfarbe

Hautausschlag: Ekzem

Das Mittel liegt klar auf der Hand und passt wie angegossen. Welches hat geholfen?

Möchte jemand Vorschläge machen?

Auflösung folgt.

Die Verwässerung homöopathischer Mitteldifferenzierung durch immer neue Repertorien

Montag, 11. Mai 2009

Die Verwässerung homöopathischer Mitteldifferenzierung durch immer neue Repertorien

Die einschlägigen Wirkungen der bekanntesten homöopathischen Mittel wurden von den klassischen Homöopathen im 19. und dem beginnenden 20. Jahrhundert hinreichend geprüft. Die Tatsache, dass Homöopathen der heutigen Zeit bei den gleichen Arzneien immer neue Symptome herausfinden und dokumentieren, ist unlogisch und erweist der Wissenschaft keinen guten Dienst.

Wir können doch wohl davon ausgehen, dass die Arzneiwirkungen von beispielsweise Lachesis oder Lycopodium über die gesamte Zeit gleich geblieben sind. An den folgenden Beispielen soll aufgezeigt werden, wie die Herausgabe immer neuerer und umfangreicherer Repertorien zur Indifferenz homöopathischer Mittelbilder führt.

1. Beispiel Lachesis

Lachesis gilt als DAS linksseitige Mittel!

KENT führt in seinem Repertorium unter Modalitäten, Seiten links Lachesis als dreiwertiges Mittel auf. Als rechtsseitiges Mittel ist Lachesis dort überhaupt nicht genannt. Dies entspricht auch der linksseitigen Spezifikation von Lachesis.Auch das SYNTHESIS-Repertortium, Ausgabe 7, enthält wie der KENT Lachesis als dreiwertiges linksseitiges Mittel und keine Nennung als rechtsseitiges.

Aber dann wird das Schema durchbrochen: Das SYNTHESIS-Repertorium, Ausgabe 9.1, enthält Lachesis als dreiwertiges linksseitiges und dann gleichzeitig aber auch als dreiwertiges rechtsseitiges Mittel! Auch das REPERTORIUM UNIVERSALE ordnet Lachesis eine jeweils dreiwertige Links- und Rechtsseitigkeit zu.

2. Beispiel Lycopodium

Lycopodium gilt als DAS rechtsseitige Mittel!

Auch hier wieder die gleichen Tendenzen. Während das KENT-Repertorium und auch das Synthesis 7 diesem Ergebnis der klassischen Arzneimittelprüfungen entsprechen, verwässern das SYNTHESIS 9.1 und das REPERTORIUM UNIVERSALE die Mittelbilder, indem hochwertige Nennungen auch für die linke Seite erscheinen.

Was vormals genau differenziert war, ist jetzt ein Einheitsbrei geworden. Nun wirken also sowohl Lachesis als auch Lycopodium in stärkstem Maße 3-wertig rechts und auch links – na so was!

Diese Beispiele ließen sich beliebig fortsetzen. Als Fazit bleibt:

a) Eigenartige Symptomenvermehrung
Durch die Herausgabe immer neuer Repertorien steigt wohl das Einkommen der Verlage, aber der seriösen Homöopathie wird dadurch die Grundlage entzogen. Alles wird letztendlich nur noch zu einem Einheitsbrei vermischt. Je mehr neue Repertorien erscheinen, desto mehr Symptome finden sich bei den Mitteln.

b) Zerstörung der homöopathischen Fachdiskussion
Darüber hinaus wird mit jedem neu aufgelegten Werk die Einteilungskriterien der vorhergehenden Repertorien konterkariert. Das SYNTHESIS ist ein besonders gutes Beispiel dafür. Damit schafft es der Verleger, jedes neue Werk als “überarbeitet” und dementsprechend vorteilhaft erscheinen zu lassen. Da dann viele unterschiedliche Werke auf dem Markt sind, gibt es auch keine einheitlichen Repertorisationsergebnisse mehr. Gemeinsame Fallbesprechunge auf breiter Basis gehören somit der Vergangenheit an.

Nein, nicht schon wieder eine neue Synthesis-Auflage!!

Dienstag, 3. März 2009

TheraMedia.de informierte mich, dass das Synthesis-Repertorium, Auflage 9.1 vergriffen sei. Ein Mitarbeiter vom Irls-Homöopathie-Versand bestätigte das. Herr R. vom CSP-Verlag, der Herausgeber des Repertoriums gibt seit Jahren immer neue Synthesis-Auflagen heraus. Natürlich ist jede überarbeitet und unterscheidet sich von der vorherigen Auflage. Der Homöopath fasst sich an den Kopf und kanns kaum glauben. Es gibt zwar eine große Fangemeinde für dieses Repertorium (sogar Vithoulkas soll mit der englischen Ausgabe arbeiten), die Nutzer dieses Werks haben aber große Probleme, wenn sie zur Übung Fälle nachrepertorisieren und feststellen müssen, dass die Ergebnisse z.T. erheblich voneinander abweichen, in jeder Auflage steht – so mein Eindruck – etwas anderes drin!

Das ist auch wohl der Grund, warum keine Synthesis-Fallrepertorisationen veröffentlicht werden. Solch ein Buch würde ja eh keiner kaufen, es müsste ja für jede einzelne Synthesis-Auflage ein spezielles Buch geben. Ich kann nur raten, was den Verleger antreibt. Vielleicht denkt er, jeder Synthesis-Besitzer würde brav alle paar Jahre seine Neuauflagen kaufen, nur weil diese viel besser als die alte oder nicht mehr kompatibel mit dem neusten “Standard”.

Das ist wirklich ärgerlich. Schon beim Erscheinen der letzten Auflage 9.1 habe ich mich dazu entschlossen: Sobald die Auflage 10 herauskommt, machst du das Spiel nicht mehr mit und schreibst den BTB-Lehrgang “Klassische Homöopathie” auf das Kent-Repertorium um, dass seit Jahrzehnten in unveränderter Form erscheint. Also: Tschüss Synthesis, war eine schöne Zeit zusammen, unsere Beziehung ist aber durch fortgesetzte Störversuche von außen zunichte gemacht worden.

Im BTB-Blog “Fallrepertorisationen” werde ich auf jeden Fall einige meiner gesammelten Fallauflösungen veröffentlichen, die ich mit den verschiedenen Synthesis-Auflagen (5,7,9…) in den letzten Jahren durchgeführt habe. Dann haben die bisherigen Besitzer dieser Werke zumindest einige Fälle zum Vergleichen, als Buch gibt es ja so etwas für die Homöopathie-Community leider nicht.

Rolf Meyer

Herpes simplex – Infektion, Repertorisation mit dem Synthesis 9.1

Montag, 16. Februar 2009

Herpes simplex – Infektion – Repertorisation mit dem Synthesis 9.1

1. Homöopatische Anamnese

Eine Patientin leidet an Herpes-Infektionen. Sie manifestieren sich am Gesäß, mit brennendem Hautausschlag und treten häufiger auf. Auslösende Faktoren sind Stress und Ärger. Sie ist beruflich und familiär ziemlich eingespannt, steht also „mitten im Leben.“

Sie ist vorab schon einmal mit dem gleichen Beschwerdebild zu mir gekommen. Müdigkeit, Abgeschlagenheit und eine depressiv-aggressive Gemütsverfassung ließen sich eruieren. Ich habe ihr damals nicht helfen können. Sie bekämpfte ihre Infektionsschübe mit allopathischen Anti-Virus-Präparaten und hielt damit die Infektion halbwegs unter Kontrolle.

Dieses Mal ist die Infektion wirklich schlimm. Im Gegensatz zu früheren Erkrankungsschüben zeigt sich jetzt nicht nur ein Hautausschlag in der Größe eines Euro-Geldstückes, sondern gleich mehrere am Gesäß. Die Patientin nimmt seit Tagen ein allopathisches Antivirus-Mittel ein, jedoch ohne sichtbare Wirkung.

Nach einer eingehenden Befragung kann ich kann folgende Symptomatik notieren:

- Schwere Infektion als Stressfolge

- Schweres Krankheitsgefühl

- Müdigkeit, Abgeschlagenheit

- Herpes-Aussschläge am Gesäß

- Brennen der Haut

- Hitzegefühl

- Obstipation

- Geschwollene Lymphknoten in der Leistenbeuge der befallenen Seite

2. Hierarchisierung

Infektion als Stressfolge, schweres Krankheitsgefühl, Müdigkeit und Abgeschlagenheit haben keinen Wert. Dies sind allgemeine, indifferente Erkrankungszeichen, die immer mit einer Herpesinfektion einhergehen. Ebenso die geschwollenen Lymphknoten im Bereich des Entzündungsgeschehens.

Ich wähle für die Repertorisation die eigentlichen Herpes-Symptome aus und beschränke mich auf die eher allgemeinen Nennungen:

Herpes-Ausschläge

Brennen der Haut

Hitzegefühl, ohne Fieber

Interessant ist die Verstopfungssymptomatik, die aber hinsichtlich

Herpes simplex – Infektion – Repertorisation mit dem Synthesis 9.1

3. Repertorisation

Das Brennen der Haut und die Hitze ohne Fieber sind auch ziemlich lapidar. Am wichtigsten erscheinen mir die 3 Symptome

- Haut-Hautausschläge-Herpes,

- Extremitäten-Hautausschläge-Gesäß

- und vor allem: Obstipation. Leider enthält diese indifferente Nennung über 400 Mittel!

Hinweis:

Klicken Sie mit der Maus auf die untenstehende Grafik, so erscheint diese in der Originalgröße.

3-herpes-kopie

In die nähere Auswahl könnten aufgrund des Repertorisationsergebnisses viele Mittel kommen. Die betreffenden Mittel sollten aber den Herpesausschlag, die Lokalisation am Gesäß und die Obstipation in möglichst hochwertiger Nennung enthalten.

Graphites mit den entsprechenden Nennungen 3-3-2 und Natrium carbonicum mit 2-2-2 bieten sich an.

4. Überprüfung der Mittelbilder

Als nächstes schaue ich mir die Arzneimittelbilder in verschiedenen Arzneimittellehren an und schaue nach, inwieweit das Gesamtbild der Arznei zum Gesamtbeschwerdebild der Patientin passt. Graphites scheint mir eher zu passen, die Verstopfung kann hier sogar eine direkte Beziehung zu Hautausschlägen aufweisen. Ich befrage die Patientin noch einmal, wann die Verstopfung auftritt und wann die Herpesausschläge und ob beide Symptome in einer Beziehung zueinander stehen. So direkt befragt, erklärt sie mir, dass sie eine allgemeine Neigung zur Obstipation hat. Nachdem diese besonders stark auftritt, käme häufig der Herpesausschlag.

Ich schaue im Synthesis-Repertorium nach: Hautausschlag NACH Obstipation finde ich nicht, aber Hautausschlag ABWECHSELND mit Obstipation. Und als einziges Medikament wird dort Graphites genannt! Dieses Symptom stimmt wohl nicht ganz genau mit dem Beschwerdebild der Patientin überein, zeigt aber doch die Wechselbeziehung zwischen der inneren Haut, dem Verdauungskanal und der äußeren Haut auf.

5. Arzneimittelgabe und Reaktion

Nach einer Gabe Graphites D30 bilden verschwinden die schweren allgemeinen Erkrankungssymptome innerhalb eines Tages, es kommen keine neuen Herpesherde hinzu und die schon vorhandenen Hautentzündungen heilen im Laufe einer Woche ab.

Rolf Meyer

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