Artikel-Schlagworte: „Homöopathische Fallrepertorisationen“

Liebeskummer – Repertorisation mit dem Synthesis 9.1 / Auflösung später

Freitag, 15. Mai 2009

Die Freundin eines jungen Mannes hatte  “mit ihm Schluss gemacht”. Das macht ihm erheblich zu schaffen. Es entwickeln sich Gemütssymptome und auch körperliche Beschwerden. Hierbei sind die körperlichen die Begleitsymptome der Gemütsbeschwerden, die im Vordergrund stehen und die behandelt werden sollen.

Der Patient leidet still vor sich hin, seine Reaktionen sind sehr verhalten. Nur seine starke Launenhaftigkeit fällt auf, er ist sehr mürrisch und grübelt vor sich hin. Der junge Mann sieht sehr blass aus. Außerdem hat sich in den letzten Tagen ein Ekzem am Ellenbogen entwickelt.

Folgende Symptome werden repertorisiert:

Beschwerden durch Kummer

Stiller Kummer

Beschwerden nach enttäuschter Liebe

Brütet, grübelt

Launenhaftigkeit

Blasse Gesichtsfarbe

Hautausschlag: Ekzem

Das Mittel liegt klar auf der Hand und passt wie angegossen. Welches hat geholfen?

Möchte jemand Vorschläge machen?

Auflösung folgt.

Behandlung eines Hundes – Repertorisation mit dem Synthesis 9.1

Dienstag, 28. April 2009

Ein besonders gut dokumentierter Fall
aus dem Bereich der Veterinärmedizin

Patientin:

Conny, eine 6 Jahre alte Landseer-Neufundlandhündin
Schulterhöhe 72 cm, Gewicht früher 50 kg, jetzt nur noch 38 kg nach 3-4 Wochen mit fast völliger Nahrungsverweigerung. Angesichts des Gewichtsverlustes und der Vorgeschichte war die Prognose denkbar schlecht.

Charakter von Conny:

ruhig, unaufdringlich, rücksichtsvoll, duldsam, hochsensibel, gibt viel Liebe, beschützt, kämpft nur im Notfall.

Vorerkrankungen:

Im ersten Lebensjahr eine Lidoperation nach Verletzung, danach eine über dreistündige Entfernung eines gutartigen Tumors im Halsbereich. Bradycardie seit dem 1. Lebensjahr. Seit einiger Zeit Spondylitis.

Medikamente:

Ab einem Alter von 1,5 Jahren Dauergabe von Crataegutt Tropfen, 2 x 8 täg-lich, ab einem Alter von 5 Dauergabe von Ultra Spur. Momentan erhält Conny Paresteronsalbe gegen Analdrüsenentzündung. Gegen die Spondylitis erhält die Hündin Cortison und ein Antibiotikum.

Die Angaben der Halterin:

Seit Monaten trockenes bis leicht nässendes Ekzem zwischen den Zehen und der Pfotenunterseite sowie an den Genitalien, intermittierend stumpfes Fell mit vermehrtem Haarausfall, seit Monaten zunehmende Gangverschlechterung mit beschwerlichem Aufstehen und Laufen, steigt ungern Treppen. Besserung nach Ultra Spur, steigt wieder Treppen, deutliche Mobilitätssteigerung.
Ein seit Anfang des Jahres mehr oder weniger starkes Gelenkknacken im Schulterbereich wird tierärztlich nicht weiter behandelt, da es zu keinen weiteren Symptomen von Schmerz oder Lahmheit führt. Ein Präparat (Canfit Cartilago) zur Bindegewebsfestigung wird als Nahrungsergänzungsmittel empfohlen.

Als Conny drei Jahre alt ist, wird die alte Mischlingshündin eingeschläfert (Krebs im Endstadium), mit der Conny aufgewachsen ist. Darauf reagiert Con-ny mit einer schweren depressiven Phase mit ständigen Scheinträchtigkeiten. Deshalb wird, als sie 4 Jahre alt ist, ein kleiner weibliches Leonberger-Berhardiner-Mischlingswelpe, Nala, aufgenommen. Conny nimmt Nala an wie einen eigenen Welpen und überwindet dabei rasch ihre depressive Phase.
Mit Nalas Geschlechtsreife kommt es zwischen den nunmehr fast gleich starken Hunden zu recht heftigen Rangordnungskämpfen. Mit Abflauen von Nalas Läufigkeit und Connys Erkrankung nehmen die Kämpfe entschieden ab. Es sieht fast so aus, als ob Nala auf Conny Rücksicht nimmt.

Conny wird jedoch immer depressiver und vermeidet seit drei bis vier Wochen jegliche Nahrung. Die Wochen vorher hatte sie nur wenig gekochten Reis genommen!

Seit einer Woche schwere Gangstörung (kurz vorher noch sehr aktiv mit Laufen und Toben, immer wieder leichte Rangordnungskämpfe), abends konnte sie nicht mehr selbständig aufstehen. Nach dem Aufhelfen war steifes Gehen und Stehen möglich.

Beim Wasserlassen fällt sie fast auf die Hinterhand. Am Tag danach Feststellung erhöhter Entzündungsparameter im Blut (Leukozyten).

Ekzem an den Pfoten und Genitale unverändert, zusätzlich noch weiter die Analdrüsenentzündung.

Conny leidet sehr unter den Symptomen, gibt sich fast völlig auf.

Am Montag dieser Woche nach der zweiten morgendlichen Tablettengabe unverändertes Beschwerdebild, abends frißt sie aber eine Handvoll Frolic. Zwei Stunden später schwere Magen- und Darmgeräusche, immer wieder saures Aufstoßen, Massieren der Bauchgegend erleichtert sie etwas. Bis auf den Reis hat sie alle Futtermittel, die sie trotz Appetitmangel zu sich genommen hat, wieder mit diesem sauren Aufstoßen erbrochen, einmalig auch den Reis.

Die Crataegutt-Tropfen, die sie bisher trotz allem immer noch genommen hat, nimmt sie seit einer Woche nicht mehr auf einem Zwieback. So wurden ihr die Tropfen direkt ins Maul geträufelt, was sehr schwierig war. Ultra Spur nimmt sie seit fast zwei Wochen nicht mehr, da sie sowieso nichts mehr frißt. Ultra Spur unter den Reis gemischt nimmt sie nicht an. Seit der völligen Nahrungsverweigerung nimmt sie auch keinen Reis mehr.

Conny verweigerte schon früher ihr Futter aus psychischen Gründen, z.B. während der Scheinträchtigkeiten und des Verlustes ihrer Hundefreundin. Danach nahm sie aber immer wieder problemlos das Futter an.

Seit gestern hat Conny einen taumeligen Gang direkt nach dem Aufstehen. Der Tierarzt hat gestern einen Gewichtsverlust von 12 kg festgestellt. Zur Schmerzbehandlung ihrer Spondylitis erhält sie Cortison und Antibiotika. Die knöchernen Veränderungen auf dem Röntgenbild sind als mittelgradig zu bezeichnen, laut Tierarzt.
Die Prognose des Tierarztes sind lebenslange Schonung und Medikation zur Schmerz- und Entzündungsunterdrückung.

Vielleicht könnte die Homöopathie im Fall von Conny ja noch mehr Hoffnungen vermitteln, meint die Halterin und bittet um das Heraussuchen eines geeigneten Mittels.

Besprechung des Falles:

Dieser Fall ist sehr komplex. Wir sollten hier einige Erkrankungsebenen voneinander trennen.

Fragen wir uns erst einmal, warum die Halterin mit dem Hund in die Praxis gekommen ist: der Grund ihres Kommens ist die starke, lebensbedrohende Abmagerung des Hundes.

Alle Begleiterkrankungen und früheren Beschwerden, die die Halterin nannte, haben mit der Abmagerung nur wenig zu tun. Die Tumoren, die Bradycardie, die Lidoperation, die Ekzeme und die doch recht starke schulmedizinische Medikation stellen hier kaum Ansätze für geeignete Symptome dar, weil sie sich weder zeitlich noch irgendwie ursächlich mit der Abmagerung in Verbindung bringen lassen.

Dass Conny durch den Tod ihrer Hundefreundin völlig aus der Bahn geworfen wurde und darin der eigentliche Grund für die Nahrungsverweigerung und Abmagerung zu sehen ist, liegt auf der Hand, schließlich bemerkte die Halterin, daß Conny schon früher aus psychischen Gründen das Essen verweigerte!

Die Ursache von Connys Beschwerden lautet:
GEMÜT – BESCHWERDEN DURCH – TOD – ELTERN ODER FREUNDE
Das ist unser Leitsymptom!

Jetzt ist die Frage abzuklären, wie Conny auf diesen Schicksalsschlag reagiert (aggressiv, duldsam….. ).
Die Halterin bezeichnete Connys Wesen als unaufdringlich, rücksichtsvoll, duldsam. Liest man die Krankengeschichte weiter durch, so fällt auf, daß Conny sich sogar gegenüber jüngeren Hunden zurücknimmt, sie unterdrückt ihren Kummer:
GEMÜT – KUMMER – STILL

Kommen wir jetzt zu den wichtigen Körpersymptomen. Aufgrund welcher körperlichen Gegebenheiten magert Conny ab? Sie hat starke Magenprobleme mit häufigem sauren Aufstoßen, mit Erbrechen nach den Mahlzeiten, wobei sie schnell und ohne großes Würgen erbricht. Daraus ergeben sich drei Einzelsymptome:
MAGEN – AUFSTOßEN – SAUER
MAGEN – ERBRECHEN – ESSEN – NACH und
MAGEN – ERBRECHEN – LEICHT

Bei der nachfolgenden Repertorisation schält sich deutlich das Mittel IGNATIA heraus.
Ein Blick in die Materia medica von Boericke überzeugt uns, daß wir bestimmt mit diesem Mittel richtig liegen.

Verordnung:

Was wurde dann verordnet:
Ignatia LM 18
Dilution, täglich 5 Tropfen mit etwas Wasser vermischen.
Die Flasche vor jeder Einnahme 10x kräftig schütteln.

Wie ging es weiter:

Durch die täglichen Gaben von Ignatia entwickelte Conny wieder etwas Appetit – damit hatte keiner mehr gerechnet!
Außerdem wurde Conny offensiver, auch das mit Sicherheit eine Auswirkung der Ignatiagaben.

Im Originalwortlaut der Halterin:
“…im Laufe des Tages, besonders nach Ignatia, Appetitsteigerung.
Das Allgemeinbefinden wird immer besser, abends droht sie bereits Nala (der jüngeren Hundedame) zurück ! ….
Beim letzten Füttern abends unterläuft mir der Fehler, daß beide Hunde vor dem Futternapf aufeinandertreffen.
Diesmal hat Conny ohne zu zögern Nala angegriffen ! Sie ist ranghöher und hat den Platz noch nicht geräumt.
Wir mußten die beiden Kampfhähne trennen, um Schlimmeres zu verhindern…….

Aufgrund dieser Schilderung erkennt man Connys Verhalten nicht wieder.
Die Demut, der stille Kummer hat sich gewandelt in ein ganz normal selbstbewusstes Verhalten. Und ihr Körpergewicht nimmt wieder zu.

Herpes simplex – Infektion, Repertorisation mit dem Synthesis 9.1

Montag, 16. Februar 2009

Herpes simplex – Infektion – Repertorisation mit dem Synthesis 9.1

1. Homöopatische Anamnese

Eine Patientin leidet an Herpes-Infektionen. Sie manifestieren sich am Gesäß, mit brennendem Hautausschlag und treten häufiger auf. Auslösende Faktoren sind Stress und Ärger. Sie ist beruflich und familiär ziemlich eingespannt, steht also „mitten im Leben.“

Sie ist vorab schon einmal mit dem gleichen Beschwerdebild zu mir gekommen. Müdigkeit, Abgeschlagenheit und eine depressiv-aggressive Gemütsverfassung ließen sich eruieren. Ich habe ihr damals nicht helfen können. Sie bekämpfte ihre Infektionsschübe mit allopathischen Anti-Virus-Präparaten und hielt damit die Infektion halbwegs unter Kontrolle.

Dieses Mal ist die Infektion wirklich schlimm. Im Gegensatz zu früheren Erkrankungsschüben zeigt sich jetzt nicht nur ein Hautausschlag in der Größe eines Euro-Geldstückes, sondern gleich mehrere am Gesäß. Die Patientin nimmt seit Tagen ein allopathisches Antivirus-Mittel ein, jedoch ohne sichtbare Wirkung.

Nach einer eingehenden Befragung kann ich kann folgende Symptomatik notieren:

- Schwere Infektion als Stressfolge

- Schweres Krankheitsgefühl

- Müdigkeit, Abgeschlagenheit

- Herpes-Aussschläge am Gesäß

- Brennen der Haut

- Hitzegefühl

- Obstipation

- Geschwollene Lymphknoten in der Leistenbeuge der befallenen Seite

2. Hierarchisierung

Infektion als Stressfolge, schweres Krankheitsgefühl, Müdigkeit und Abgeschlagenheit haben keinen Wert. Dies sind allgemeine, indifferente Erkrankungszeichen, die immer mit einer Herpesinfektion einhergehen. Ebenso die geschwollenen Lymphknoten im Bereich des Entzündungsgeschehens.

Ich wähle für die Repertorisation die eigentlichen Herpes-Symptome aus und beschränke mich auf die eher allgemeinen Nennungen:

Herpes-Ausschläge

Brennen der Haut

Hitzegefühl, ohne Fieber

Interessant ist die Verstopfungssymptomatik, die aber hinsichtlich

Herpes simplex – Infektion – Repertorisation mit dem Synthesis 9.1

3. Repertorisation

Das Brennen der Haut und die Hitze ohne Fieber sind auch ziemlich lapidar. Am wichtigsten erscheinen mir die 3 Symptome

- Haut-Hautausschläge-Herpes,

- Extremitäten-Hautausschläge-Gesäß

- und vor allem: Obstipation. Leider enthält diese indifferente Nennung über 400 Mittel!

Hinweis:

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3-herpes-kopie

In die nähere Auswahl könnten aufgrund des Repertorisationsergebnisses viele Mittel kommen. Die betreffenden Mittel sollten aber den Herpesausschlag, die Lokalisation am Gesäß und die Obstipation in möglichst hochwertiger Nennung enthalten.

Graphites mit den entsprechenden Nennungen 3-3-2 und Natrium carbonicum mit 2-2-2 bieten sich an.

4. Überprüfung der Mittelbilder

Als nächstes schaue ich mir die Arzneimittelbilder in verschiedenen Arzneimittellehren an und schaue nach, inwieweit das Gesamtbild der Arznei zum Gesamtbeschwerdebild der Patientin passt. Graphites scheint mir eher zu passen, die Verstopfung kann hier sogar eine direkte Beziehung zu Hautausschlägen aufweisen. Ich befrage die Patientin noch einmal, wann die Verstopfung auftritt und wann die Herpesausschläge und ob beide Symptome in einer Beziehung zueinander stehen. So direkt befragt, erklärt sie mir, dass sie eine allgemeine Neigung zur Obstipation hat. Nachdem diese besonders stark auftritt, käme häufig der Herpesausschlag.

Ich schaue im Synthesis-Repertorium nach: Hautausschlag NACH Obstipation finde ich nicht, aber Hautausschlag ABWECHSELND mit Obstipation. Und als einziges Medikament wird dort Graphites genannt! Dieses Symptom stimmt wohl nicht ganz genau mit dem Beschwerdebild der Patientin überein, zeigt aber doch die Wechselbeziehung zwischen der inneren Haut, dem Verdauungskanal und der äußeren Haut auf.

5. Arzneimittelgabe und Reaktion

Nach einer Gabe Graphites D30 bilden verschwinden die schweren allgemeinen Erkrankungssymptome innerhalb eines Tages, es kommen keine neuen Herpesherde hinzu und die schon vorhandenen Hautentzündungen heilen im Laufe einer Woche ab.

Rolf Meyer

Grippaler Infekt – Repertorisation mit dem Synthesis 9.1

Dienstag, 10. Februar 2009

Grippaler Infekt

Patientin mit grippalem Infekt: Dieser Erkrankung ist mit homöopathischen Mitteln nur schwer beizukommen. Die Symptome sind oftmals zu diffus. Wirklich besondere Krankheitszeichen fehlen bzw. können nicht angegeben werden. Man kennt das: allgemeines Krankheitsgefühl, vielleicht etwas Fieber und Kopfschmerzen, Halsbeschwerden, danach vielleicht Husten.

Die Patientin gibt folgende Symptome an:

Sie hat seit einigen Tagen Halsschmerzen im Bereich des Kehlkopfes mit dem Gefühl eines Kloßes im Hals, so dass sie sich immerzu räuspern müsse. Dazu ein Engegefühl im Hals, stechende Kopfschmerzen, hauptsächlich in den Seiten. Dazu komme ein trockener, bellender und enger Husten. Mir fällt noch auf, dass sie einen fauligen Mundgeruch hat. Die Tonsillen sind aber nicht vereitert, wie ich feststelle.

Auf die Frage nach Gemütssymptomen gibt die Patientin an, sie wäre irgendwie “schlecht drauf”, nicht aggressiv, eher traurig.

Ich wandle folgende Symptome in die Sprache des Repertoriums um und schreibe mir die Seite auf, auf der die jeweiligen Symptome verzeichnet sind:

Innerer Hals – eng

Innerer Hals – Klumpens – Gefühl eines

Mund – Geruch – faulig

Kehlkopf und Trachea – Schmerz

Kehlkopf und Trachea – Räuspern, Freimachen des Kehlkopfes – unablässig

Husten – kruppartig

Husten – trocken

Kopf – Schmerz – Seiten – stechend

Gemüt – Traurigkeit

Ein Blick auf die jeweiligen Rubriken zeigt mir, dass ich schlechte Karten habe: Viele Symptome weisen weit mehr als 100 Mittel auf, sind also große, zu allgemeine Rubriken. Alle Symptome sind pathophysiologisch nachvollziehbar, stellen also nichts Besonderes dar. Das Symptom “Traurigkeit” ist bei einer Grippe, die ja eine relativ schwere Allgemeinsymptomatik hervorruft, eher lapidar. Außerdem enthält es mehr als 700 Arzneimittel.

Hinweis:

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2-grippaler-infekt

Die Auswertung ergibt Phosphorus an erster Stelle, an zweiter Lachesis.

Lachesis gebe ich persönlich nicht gerne, das Mittel wirkt zu tief, schon Kent und Nash warnten vor einiger voreiligen Gabe. Boericke beschreibt auch in seinen einleitenden Sätzen zu dem Mittelbild die “septischen Zustände, ….schleichenden Krankheitsformen, ….die tiefgreifende Erschöpfung …..und die durch und durch gehende Vergiftung”. Das ist kein Bild eines grippalen Infektes. Außerdem hat Lachesis zwei Besonderheiten, die bei Lachesis-Patienten zu finden sind: starke Ruhelosigkeit gepaart mit übergroßem Rededrang. Davon ist bei der Patientin nichts zu merken.

Belladonna hat einen plötzlichen und starken Beginn mit einem fulminanten und schweren Verlauf, dazu Fieber und ein rotes Gesicht. Auch das stimmt nicht mit dem Beschwerdebild der Patientin überein.

Ich entscheide mich für Phosphorus, gebe einmal eine D6-Gabe, bei einer solch tiefen Potenz ist die Streuwirkung besser und die Wirkungswahrscheinlichkeit bei einer solch diffusen Erkrankung größer.

Nichts passiert, keine Erstverschlimmerung, keine Verbesserung. Die Patientin greift zu heißem Kräutertee und Einreibemitteln für die Nacht. Nach zwei Wochen ist das Ganze verschwunden, nur hin und wieder ein leichter Hustenreiz ist übriggeblieben, der aber auch nach und nach verschwindet.

Rolf Meyer

Reizdarm mit chronisch rezidivierender Diarrhoe – Repertorisation mit dem Synthesis 9.1

Dienstag, 10. Februar 2009

Synthesis-Repertorisation

Reizdarm mit chronisch rezidivierender Diarrhoe

Männlicher Patient, hat seit Jahren immer wiederkehrende Zustände von akutem Durchfall. Auf mein Nachfragen, ob er bemerken würde, dass gewisse Lebensmittel die Symptomatik hervorrufen würden, verneint er. Außer bei Knoblauch, den er eigentlich sehr gern isst, da würde seine Verdauung prompt reagieren.

Es lassen sich nur wenige differenzierte Symptome eruieren:

Wenn er seine Durchfallattacken bekommt, hat er so laute Darmgeräusche, dass es anderen Menschen in seiner Umgebung auffällt. Der Stuhl ist dünnflüssig, fauliger Geruch. Die Stuhlfarbe ist bräunlich-grünlich. Das ist nicht viel, was an Lokalsymptomatik notiert werden kann.

Gibt es irgendwelche Begleitsymptome? Schmerzen, Schwäche, Unruhe, Schweißausbruch oder irgendetwas anders Auffälliges? Er verneint. Auch von der Gemütssymptomatik her keine Besonderheiten.

Wir haben als Symptomatik:

- Dünner, flüssiger Stuhl

- Fauliger Stuhlgeruch

- Laute Darmgeräusche

- Stuhlfarbe bräunlich-grünlich: Die Rubriken “bräunlich-grünlich” oder “braun-grün” sind nicht verzeichnet, also entscheide ich mich für “grün”, da dies als Stuhlfarbe im Gegensatz zu “braun” die Besonderheit darstellt.

Hinweis:

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1-durchfall-chronisch4

Mit der Auswertung der Repertorisation lässt sich nicht viel anfangen: viele Mittel stehen (rein rechnerisch) dicht nebeneinander. Also schaue ich mir die Arzneien der drei erstgenannten Mittel an: Natrium sulfuricum, Podophyllum und Sulfur.

In der Materia Medica von Boericke enthält Podophyllum die meisten Hinweise auf Durchfallsymptome, es scheint ein regelrechtes “Durchfallmittel” zu sein. Ich schaue mir auch das Bild von Podophyllum in der Arzneimittellehre von Hering nach (C.Hering, Leitsymptome usnerer Materia Medica). Dort sind allein 4 Seiten der Rektum- und Stuhlsymptomatik von Podophyllum gewidmet.

Ich frage den Patienten, ob er mir nicht weitere Symptome seiner Durchfallerkrankung liefern kann. Gibt es vielleicht noch spezielle Besonderheiten? Vielleicht wechselt sein Durchfall sich ab mit Verstopfungszuständen, und wie steht es mit der Menge des flüssigen Stuhls. Darufhin meint er, wenn er auf dem “stillen Örtchen” säße, würde der Durchfall mit viel Luft herausspritzen, dass er immer viel Arbeit hätte, mit der Toilettenbüste das Klo von innen zu reinigen. Das ist ihm überhaupt nicht angenehm, die Geräuschentwicklung… und alles andere.

Hering: “Stühle….wäßrig….reichlich…spritzen heraus…mit Blähungen…”

Ich gebe Podophyllum D30 Globuli, eine Wiederholungsgabe nach 1 Woche.

Danach haben sich die Beschwerden deutlich gebessert, nur noch selten Tendenz zur Diarrhoe – und wenn, dann nicht so dramatisch.

Rolf Meyer

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