Gab es im “alten China” schon so etwas wie Hufrehe? Und wenn ja, wie ging man damit um? Im Buch „Pferdebehandlung mit Traditioneller chinesischer Veterinärmedizin“ (Michael Heerde) in dem alte Texte übersetzt wurden, habe ich folgendes gefunden:
1. „Schädigung durch Futter
Die Schädigung durch Futter wird durch (das Fressen) zuviel rohen Futters hervorgerufen. Sie entsteht, wenn das Tier zu üppig und zu viel frisst und wenig bewegt wird.
(Dadurch) stagniert das Qi des Korns in Milz und Magen, das Gift des Futters sammelt sich im Darm an und kann nicht weitertransportiert werden. Das Hitze-Übel bewegt sich unbesonnen (wirr, durcheinander).
Der Geist des Tieres ist verwirrt, wie trunken, die Augen sind geschlossen, der Kopf ist gesenkt, seine Schritte (Bewegungen) sind eingeschränkt und die vier Gliedmaßen sind (unter dem Bauch) versammelt.
Dies ist ein durch Kornfütterung verursachtes Leiden.
Der Puls der Shuang fu ist überflutend und groß, Lippen und Zunge sind leuchtend rot.“
= akute Futterrehe
2. „Zusammenballung von Blutgift in den Hufen
Beim Zusammenballen von Blut in den Hufen ist der Huf (das Horn) welk und ausgetrocknet. (Dies) entsteht, wenn man das Pferd, nachdem (es) weit bewegt wurde, plötzlich ohne (es) vorher zu führen, anbindet, so dass sich das Blut in den Hufen staut, oder wenn das Pferd lange Zeit angebunden ist und herumsteht, wodurch sich das Blut im Huf ansammelt und das Horn allmählich länger wird.
Schneidet man den Huf lange Zeit nicht, so wird er welk und der Kronsaum verhärtet.
Das Tier bewegt sich schwankend, krümmt die Hüfte, hält den Kopf gesenkt, liegt viel, steht selten, im Stand und in der Bewegung sind die Beine unter dem Bauch versammelt.
Dies ist das Leiden des Blut-Giftes.
Der Puls der Shuang fu ist normal, Maul und Lippen sind (normal) glänzend.“
= Belastungsrehe ?
Also war auch schon in altchinesischer Zeit die Hufrehe ein Begriff und ein Problem, das man mit TCM behandelte.
Bei allen Formen der Hufrehe kann man mit Hilfe der Akupunktur unterstützend und oft auch heilend eingreifen. Doch wie geht man vor?
Ich habe hier einige Strategien gesammelt. Zu jeder Disharmonie gibt es einige geeignete Punkte. Jedem Akupunkteur sollte jedoch klar sein, dass man diese Punkte in ein sinnvolles Konzept einbetten muss, damit sie wirken können. Also bitte nicht einfach alle genannten Punkte des Disharmoniemusters nadeln!
akute Hufrehe:
westlich:
Vergiftung durch Mykotoxine, verdorbene Nahrung, Medikamente, Umweltgifte, Endotoxine etc.
Stoffwechselentgleisung
Überbelastung
TCM:
- plötzlich = Wind
- Entzündung = Hitze
- Pulsation = Fülle
Schädigung von Milz und Magen
Milz:
- wichtigstes Verdauungsorgan, wandelt Nahrung und Getränke in Nahrungs-Qi um, wird durch exzessive Futteraufnahme oder falsches Futter stark geschädigt
- zuständig dafür, dass Organe an ihrem Platz bleiben. (Hufbeinabsenkung / Rotation weist auf eine schwere Schädigung der Milz hin.)
- zuständig dafür, dass das Blut in seinen Bahnen bleibt (Einblutungen in die Lederhaut)
Nahrungsstau im Darm
- ist eine Folge von übermäßigem Verzehr von (ungeeignetem) Futter
- ist eine Folge der Schädigung von Leber, Milz und Magen
- sorgt dafür, dass sich Milz- und Leber-Qi-Probleme noch verstärken
- Teufelskreis
Schädigung der Leber
- Hauptaufgabe: Gewährleistung des geschmeidigen Qi-Flusses im ganzen Körper. Ist die Leber geschädigt, kommt es zu Qi-Stagnationen und in der Folge oft auch zu Blut-Stagnationen (Qi ist der Befehlshaber des Blutes).
- Das Leber-Qi unterstützt das Qi von Milz und Magen. Ist die Leber geschädigt, werden diese beiden Organe auf jeden Fall auch beeinträchtigt
- In der Folge der beiden zuvor genannten Syndrome kommt es zu Qi-Stagnationen im Darm.
Therapieprinzip bei fast jeder akuten Rehe:
- Qi und Blut bewegen
- Leber harmonisieren
- Milz und Magen – Qi stärken
Eine akute Rehe ist meist eine Hitze-Fülle-Erkrankung. Sie kann nach einigen Tagen aber in Leere umschlagen!
Eine Sofortmaßnahme ist das bluten lassen der Ting-Punkte 3E 1, Di 1 und Dü 1.
Das oft propagierte Einstechen und liegen lassen von Kanülen in diesen Punkten sollte sehr erfahrenen Therapeuten vorbehalten sein, da die Kanülen durch eine unbedachte Bewegung des Pferdes in das Hufgelenk eindringen und dieses eröffnen können!
chronische Hufrehe:
- entwickelt sich häufig aus der akuten Form
- manchmal auch schleichender Verlauf ohne initialen akuten Schub
Leber, Milz und Magen werden kontinuierlich über längere Zeit geschwächt, eine schleichende Rehe setzt ein
- meist Leere-Typ
- die chinesische Medizin sagt: „Eine chronische Erkrankung wird in jedem Fall die Niere erreichen.“
- bei der chronischen Rehe ist in fast jedem Fall das Nieren-Yin geschädigt, meist auch zusätzlich das Nieren-Yang
- Die scheinbare Fülle-Hitze-Symptomatik entsteht durch den Yin-Mangel.
- je schwächer die Niere im Verlaufe der Erkrankung wird, desto schwieriger wird die Heilung, da die Niere die Grundlage von Yin und Yang aller anderen Organe ist.
Die chronische Rehe ist eine Leere-Erkrankung! Hier darf nicht stark ausgeleitet werden!
Stimulation der Ting-Punkte mit kleinen, feinen Nadeln, keine Hämakupunktur!
Therapie bei fast jeder chronischen Rehe:
- Niere, Milz und Magen stärken
- Leber harmonisieren
- Qi und Blut bewegen
Leber
(Leber-)Qi-Fluss harmonisieren
geeignete Punkte:
- Le 3: harmonisiert die Leber, reguliert Qi- und Blutzirkulation, entfernt Stagnation
- Le 13 und 14: fördern den harmonischen Leber-Qi-Fluss
- GB 34: stärkt die Leber, harmonisiert bes. zusammen mit Le 3 den Leber-Qi-Fluss
- GB 41: fördert den harmonischen Leber-Qi-Fluss
- SJ 6: reguliert das Leber-Qi und beseitigt Obstruktionen
- PE 6: reguliert das Leber-Qi
(Leber-) Blut bewegen
geeignete Punkte:
- Bl 18: reguliert das Leber-Blut
- Le 3: reguliert die Leber-Qi- und Blut-Zirkulation
- Le 13: reguliert die Leber-Qi- und Blut-Zirkulation, stärkt die Milz, daher gut bei Milzbeteiligung
- MP 10: reguliert das Blut
Leber-Wind-Hitze ausleiten (Leber-Wind durch Leber-Yang)
geeignete Punkte:
- Le 2 und 3: verteilen das Leber-Qi und unterdrücken Wind. LE 2 beseitigt zusätzlich auch Hitze
- Le 8: nährt Leber-Yin und –Blut
- GB 34: besänftigt Leber-Yang
- SJ 5: besänftigt Leber-Yang
- LG 20, LG 16 und GB 20 unterdrücken inneren Wind
- MP 6, Ni 3 und Le 8 nähren das Leber-Yin
Milz
Milz-Qi stärken, damit das Blut in den Bahnen und das Hufbein am Platz bleibt
geeignete Punkte:
- MP 3 und 6 stärken Milz und Magen
- MP 10 + Moxa: stärkt die Milz in ihrer Kontrolle über das Blut, hält das Blut in den Gefäßen
- MP 1: beendet Blutungen durch Milz-Stärkung
- Ma 36: stärkt Magen- und Milzfunktion, stärkt die Qi- und Blutbildung und –
- zirkulation
- KG 12: stärkt Milz- und Magen-Qi
- Bl 20 und 21 stärken Milz- und Magen-Qi, besonders bei chronischem Mangel
- Bl 17: hält das Blut in den Gefäßen
Niere
Stärkung der Niere, um Yin (und Yang) für den Körper bereit zu stellen:
geeignete Punkte:
- Bl 23 und Ni 3: stärken die Niere und deren Yin
- Ni 6 und Ni 9: stärken die Niere, vor allem Yin
- Ni 10:stärkt die Niere, leitet Hitze aus
- Ni 2:entfernt Mangel-Hitze aus der Niere (Hauptpunkt!), senkt aufsteigendes Leber-Yang ab
- KG 4 stärkt das Nieren-Yin und Essenz Jing
- MP 6: stärkt Nieren- und Leber-Yin
Darm
um bei einer Futterrehe die Verdauung zu harmonisieren, muss vor allem die Milz gestärkt werden (s.o.)
zusätzlich muss man die Därme durchgängig machen und die Stuhlentleerung fördern.
geeignete Punkte:
- Di 4, MP 15, SJ 6 fördern die Stuhlentleerung
- Ma 25: fördert die Eingeweidefunktionen, reguliert deren Qi
- Ma 36: stärkt die Dickdarmfunktion
- Ma 37 stärkt als unterer He-Meerpunkt des Dickdarms dessen Funktion
- Ma 39: stärkt als unterer He-Meerpunkt des Dünndarms dessen Funktion
- Bl 27: stärkt die Dünndarmfunktion
- Bl 25: stärkt die Dickdarmfunktion
- KG 4: beseitigt Blockaden im Darm
Ödeme (der Lederhaut)
Bei entzündlichen Ödemen handelt es sich um so genannte Yang-Ödeme.
Hierbei kann es sich um folgende Disharmonien handeln:
Wind-Wasser dringt in die Abwehr-Schicht ein
plötzlich einsetzende Ödeme
Fieber
Abneigung gegen Kälte
Muskelschmerzen
Harnretention
Schleimhäute normal
Puls oberflächlich, langsam
Therapie: Oberfläche befreien, Wind vertreiben, Wasserwege öffnen, das Verteilen der Flüssigkeiten durch die Lunge stärken
geeignete Punkte:
Di 4, 3E5, Lu 7, Bl 12, Bl 13 befreien die Oberfläche, vertreiben Wind und stellen die
verteilende und absenkende Funktion der Lunge wieder her.
Ni 6, LG 26, Di 4, Ma 36, GB 41, Di 11 sind klassische Punkte bei Ödemen von
Gesicht und Vorderextremitäten verbunden mit Fieber
LG 26 sedieren, KG 9 mit Moxa behandeln: bewährte Indikation bei Ödemen der oberen Körperhälfte
Di 6 öffnet die Wasserwege und leitet akute Ödeme von Vordergliedmaßen und Gesicht aus.
Di 10 ist ein wichtiger lokaler Punkt zur Beseitigung von Ödemen derVordergliedmaßen
Ma 36 harmonisiert Nähr- und Abwehr-Qi und beseitigt Flüssigkeiten aus dem Raum zwischen Haut und Muskulatur
Feuer-Toxin
Ödeme in verschiedenen Körperregionen, Ulzera
Zunge: rot, klebriger Belag
Puls: schlüpfrig, schnell
Therapie: Lunge und Milz tonisieren, Nässe ausleiten, Hitze beseitigen, Feuer-Toxin auflösen
geeignete Punkte:
KG 12 und Bl 20 tonisieren die Milz und lösen so Nässe und Ödeme auf
KG 9, Ma 28 und Bl 22 fördern die Umwandlung der Flüssigkeiten und lösen Ödeme auf
MP 9 löst Nässe auf
Lu 7 stimuliert das Verteilen der Flüssigkeiten durch die Lunge
Bl 13 tonisiert das Lungen-Qi
Di 11 löst Feuer-Toxin auf
Nässe-Hitze
Ödeme der Beine, auch Bauchödeme
dünne, glänzende Haut
Durst ohne Verlangen zu trinken
spärlicher, dunkler Harn
Zunge: klebriger, gelber Belag
Puls: schlüpfrig, schnell
Therapie: Nässe auflösen, Hitze beseitigen
geeignete Punkte:
Di 11 löst Nässe-Hitze auf, beseitigt Hitze
KG 9 fördert die Umwandlung von Flüssigkeiten und die Trennung des Klaren vom
Trüben, löst Ödeme auf
Bl 22, Ma 28, MP 9 und MP6 lösen Nässe-Hitze im Unteren Erwärmer auf (evtl. bei Rehe der Hinterbeine)
Blutungen (in die Lederhaut):
- durch Hitze: Hitze verletzt die Blut-Verbindungsgefäße und bringt das Blut dazu, aus den Gefäßen auszutreten. Das Blut kann hell- oder dunkelrot sein und fließt meist reichlich.
Schleimhäute dunkelrot, Puls voll, evtl. schnell
Therapie: Hitze ausleiten
einige geeignete Punkte (sedierend nadeln):
He 7: klärt Mangel-Hitze und Blut-Hitze, stärkt das Herz-Blut
Lu 11: vertreibt Wind-Hitze
Di 11: beseitigt Hitze, kühlt das Blut, reguliert das Blut
SJ 5: Hitzezustände, verteilt das Qi auf alle Leitbahnen
Bl 57: klärt Blut-Hitze, bewegt das Blut
Bl 40: beseitigt Hitze, kühlt das Blut, beseitigt Blut-Stagnation
GB 31: vertreibt Wind-Hitze, reguliert Qi und Blut
Le 3: kühlt Blut-Hitze, beseitigt Blut-Stagnation, fördert den Leber-Qi-Fluss
- durch Blut-Stase: das Blut stagniert in den Gefäßen und Verbindungsleitbahnen. Durch das ständig nachfließende Blut kommt es zu einer starken Stauung und das Blut tritt aus den Gefäßen. Das Blut ist dunkel und klumpig. Der Austritt des Blutes ist immer mit Schmerzen verbunden. Blut-Stagnation ist fast immer die Folge von Qi-Stagnation. Diese muss also immer mitbehandelt werden!
Häufig ist die Leber von Blut- und Qi-Stagnation betroffen.
dunkle Schleimhäute, dunkle, manchmal violette Zunge, Puls saitenförmig oder rau
Therapie: Blut und Qi bewegen, Stase auflösen, Blut beruhigen
einige geeignete Punkte:
Bl 40: beseitigt Blut-Stagnation, beseitigt Hitze, kühlt das Blut
Bl 57: bewegt das Blut
KG 6: zirkuliert das Blut im ganzen Körper
MP 6: aktiviert Qi- und Blutfluss, stärkt das Yin, nährt das Blut
MP 10: reguliert das Blut
MP 21: bewegt das Blut in den kleinen Verbindungsgefäßen
GB 31: reguliert Qi und Blut, vertreibt Wind-Hitze
GB 34: fördert den Leber-Qi-Fluss
Le 3: beseitigt Blut-Stagnation, kühlt Blut-Hitze, fördert den Leber-Qi-Fluss
Di 4: macht die Meridiane und Netzgefäße durchgängig, leitet Obstruktionen aus
- durch (Milz) Qi-Mangel: das Milz – Qi ist zu schwach, um das Blut in den Bahnen zu halten. Das Blut sieht frisch und hellrot aus. Meist fließt es spärlich.
blasse Schleimhäute, schwacher Puls
Therapie: Milz-Qi stärken
einige geeignete Punkte (tonisierend nadeln):
KG 12, Ma 36, MP 6, Bl 20, Bl 21: stärken das Milz-Qi
MP 10: stärkt die Milz-Funktion, holt das Blut in die Gefäße zurück
MP 4: tonisiert Milz- und Magen, kontrolliert die Blut-Verbindungsleitbahnen
und stillt subkutane Blutungen
MP 3: Yuan-Quellpunkt der Milz
MP 1: Moxibustion! Stärkt die Funktion der Blut-Kontrolle. Nur bei Blutungen
mit Leere-Charakter!
- durch Yin-Mangel, Leere-Hitze: das Yin-Qi ist schwach und kann das Blut nicht in den Bahnen halten. Zusätzlich schädigt die Leere-Hitze die Blut-Verbindungsbahnen und lässt das Blut aus den Gefäßen austreten. Das Blut ist frisch und scharlachfarben, fließt aber spärlich.
Therapie: Yin stärken, Leere-Hitze vertreiben, Blut beruhigen
einige geeignete Punkte (tonisierend nadeln):
Bl 23: nährt Nieren-Yin und Yin allgemein
KG 4: tonisiert Blut und Yin
MP 6: stärkt das Yin, nährt das Blut, aktiviert Qi- und Blutfluss
He 6: stärkt das Herz-Yin und –Blut, klärt Mangel-Hitze
He 7: klärt Mangel-Hitze und Blut-Hitze, stärkt das Herz-Blut
Ni 3: nährt das Nieren-Yin, kühlt Mangel – Hitze
Ni 6: nährt das Nieren-Yin, kühlt das Blut
Le 8: nährt das Leber-Yin
Di 11 und MP 10 kühlen das Blut und stillen Blutungen
Ni 2 und Le 3 kühlen das Blut
Bei allen Syndromen:
Bl 17: Meisterpunkt des Blutes, reguliert das Blut (nur nadeln, nicht moxen)
Lu 9: Meisterpunkt der Blutgefäße, reguliert die Mikrozirkulation
Allergien aus schulmedizinischer und aus ganzheitlicher Sicht, Behandlung von Allergien mit Homöopathie, Homotoxikologie, Bachblüten, Schüsslersalzen, Heilpilzen usw.
boten Firmen ihre Produkte von Nahrungsergänzungsmitteln über Fachbücher, bis hin zu Bioresonanzgeräten und Lasern an. Auch in dieser Ausstellung konnte man sich viel Wissen von den netten und kompetenten Ausstellern aneignen und interessante Produkte erwerben.