Archiv für die Kategorie „Alternative Verfahren in der Veterinärmedizin“

Hufrehe – Behandlung mit Akupunktur, Therapiekonzepte

Mittwoch, 9. September 2009

 Gab es im “alten China” schon so etwas wie Hufrehe? Und wenn ja, wie ging man damit um? Im Buch „Pferdebehandlung mit Traditioneller chinesischer Veterinärmedizin“ (Michael Heerde) in dem alte Texte übersetzt wurden, habe ich folgendes gefunden:

1. „Schädigung durch Futter

Die Schädigung durch Futter wird durch (das Fressen) zuviel rohen Futters hervorgerufen. Sie entsteht, wenn das Tier zu üppig und zu viel frisst und wenig bewegt wird.

(Dadurch) stagniert das Qi des Korns in Milz und Magen, das Gift des Futters sammelt sich im Darm an und kann nicht weitertransportiert werden. Das Hitze-Übel bewegt sich unbesonnen (wirr, durcheinander).

Der Geist des Tieres ist verwirrt, wie trunken, die Augen sind geschlossen, der Kopf ist gesenkt, seine Schritte (Bewegungen) sind eingeschränkt und die vier Gliedmaßen sind (unter dem Bauch) versammelt.

Dies ist ein durch Kornfütterung verursachtes Leiden.

Der Puls der Shuang fu ist überflutend und groß, Lippen und Zunge sind leuchtend rot.“

       = akute Futterrehe

2. „Zusammenballung von Blutgift in den Hufen

Beim Zusammenballen von Blut in den Hufen ist der Huf (das Horn) welk und ausgetrocknet. (Dies) entsteht, wenn man das Pferd, nachdem (es) weit bewegt wurde, plötzlich ohne (es) vorher zu führen, anbindet, so dass sich das Blut in den Hufen staut, oder wenn das Pferd lange Zeit angebunden ist und herumsteht, wodurch sich das Blut im Huf ansammelt und das Horn allmählich länger wird.

Schneidet man den Huf lange Zeit nicht, so wird er welk und der Kronsaum verhärtet.

Das Tier bewegt sich schwankend, krümmt die Hüfte, hält den Kopf gesenkt, liegt viel, steht selten, im Stand und in der Bewegung sind die Beine unter dem Bauch versammelt.

Dies ist das Leiden des Blut-Giftes.

Der Puls der Shuang fu ist normal, Maul und Lippen sind (normal) glänzend.“

       = Belastungsrehe ?

 

Also war auch schon in altchinesischer Zeit die Hufrehe ein Begriff und ein Problem, das man mit TCM behandelte.

Bei allen Formen der Hufrehe kann man mit Hilfe der Akupunktur unterstützend und oft auch heilend eingreifen. Doch wie geht man vor?

Ich habe hier einige Strategien gesammelt. Zu jeder Disharmonie gibt es einige geeignete Punkte. Jedem Akupunkteur sollte jedoch klar sein, dass man diese Punkte in ein sinnvolles Konzept einbetten muss, damit sie wirken können. Also bitte nicht einfach alle genannten Punkte des Disharmoniemusters nadeln!

 

 

akute Hufrehe:

westlich:

Vergiftung durch Mykotoxine, verdorbene Nahrung, Medikamente, Umweltgifte, Endotoxine etc.

Stoffwechselentgleisung

Überbelastung

TCM:

  • plötzlich = Wind
  • Entzündung = Hitze
  • Pulsation = Fülle

Schädigung von Milz und Magen

Milz:

  • wichtigstes Verdauungsorgan, wandelt Nahrung und Getränke in Nahrungs-Qi um, wird durch exzessive Futteraufnahme oder falsches Futter stark geschädigt
  • zuständig dafür, dass Organe an ihrem Platz bleiben. (Hufbeinabsenkung / Rotation weist auf eine schwere Schädigung der Milz hin.)
  • zuständig dafür, dass das Blut in seinen Bahnen bleibt (Einblutungen in die Lederhaut)

Nahrungsstau im Darm

  • ist eine Folge von übermäßigem Verzehr von (ungeeignetem) Futter
  • ist eine Folge der Schädigung von Leber, Milz und Magen
  • sorgt dafür, dass sich Milz- und Leber-Qi-Probleme noch verstärken
  • Teufelskreis

Schädigung der Leber

  • Hauptaufgabe: Gewährleistung des geschmeidigen Qi-Flusses im ganzen Körper. Ist die Leber geschädigt, kommt es zu Qi-Stagnationen und in der Folge oft auch zu Blut-Stagnationen (Qi ist der Befehlshaber des Blutes).
  • Das Leber-Qi unterstützt das Qi von Milz und Magen. Ist die Leber geschädigt, werden diese beiden Organe auf jeden Fall auch beeinträchtigt
  • In der Folge der beiden zuvor genannten Syndrome kommt es zu Qi-Stagnationen im Darm.

Therapieprinzip bei fast jeder akuten Rehe:

  • Qi und Blut bewegen
  • Leber harmonisieren
  • Milz und Magen – Qi stärken

Eine akute Rehe ist meist eine Hitze-Fülle-Erkrankung. Sie kann nach einigen Tagen aber in Leere umschlagen!

Eine Sofortmaßnahme ist das bluten lassen der Ting-Punkte 3E 1, Di 1 und Dü 1.

Das oft propagierte Einstechen und liegen lassen  von Kanülen in diesen Punkten sollte sehr erfahrenen Therapeuten vorbehalten sein, da die Kanülen durch eine unbedachte Bewegung des Pferdes in das Hufgelenk eindringen und dieses eröffnen können!

 

 

chronische Hufrehe:

  • entwickelt sich häufig aus der akuten Form
  • manchmal auch schleichender Verlauf ohne initialen akuten Schub

Leber, Milz und Magen werden kontinuierlich über längere Zeit geschwächt, eine schleichende Rehe setzt ein

  • meist Leere-Typ
  • die chinesische Medizin sagt: „Eine chronische Erkrankung wird in jedem Fall die Niere erreichen.“
  • bei der chronischen Rehe ist in fast jedem Fall das Nieren-Yin geschädigt, meist auch zusätzlich das Nieren-Yang
  • Die scheinbare Fülle-Hitze-Symptomatik entsteht durch den Yin-Mangel.
  • je schwächer die Niere im Verlaufe der Erkrankung wird, desto schwieriger wird die Heilung, da die Niere die Grundlage von Yin und Yang aller anderen Organe ist.

Die chronische Rehe ist eine Leere-Erkrankung! Hier darf nicht stark ausgeleitet werden!

Stimulation der Ting-Punkte mit kleinen, feinen Nadeln, keine Hämakupunktur!

Therapie bei fast jeder chronischen Rehe:

  • Niere, Milz und Magen stärken
  • Leber harmonisieren
  • Qi und Blut bewegen

Leber

(Leber-)Qi-Fluss harmonisieren

geeignete Punkte:

  • Le 3: harmonisiert die Leber, reguliert Qi- und Blutzirkulation, entfernt Stagnation
  • Le 13 und 14: fördern den harmonischen Leber-Qi-Fluss
  • GB 34: stärkt die Leber, harmonisiert bes. zusammen mit Le 3 den Leber-Qi-Fluss
  • GB 41: fördert den harmonischen Leber-Qi-Fluss
  • SJ 6: reguliert das Leber-Qi und beseitigt Obstruktionen
  • PE 6: reguliert das Leber-Qi

(Leber-) Blut bewegen

geeignete Punkte:

  • Bl 18: reguliert das Leber-Blut
  • Le 3: reguliert die Leber-Qi- und Blut-Zirkulation
  • Le 13: reguliert die Leber-Qi- und Blut-Zirkulation, stärkt die Milz, daher gut bei Milzbeteiligung
  • MP 10: reguliert das Blut

Leber-Wind-Hitze ausleiten (Leber-Wind durch Leber-Yang)

geeignete Punkte:

  • Le 2 und 3: verteilen das Leber-Qi und unterdrücken Wind. LE 2 beseitigt zusätzlich auch Hitze 
  • Le 8: nährt Leber-Yin und –Blut 
  • GB 34: besänftigt Leber-Yang 
  • SJ 5: besänftigt Leber-Yang 
  • LG 20, LG 16 und GB 20 unterdrücken inneren Wind 
  • MP 6, Ni 3 und Le 8 nähren das Leber-Yin

Milz

Milz-Qi stärken, damit das Blut in den Bahnen und das Hufbein am Platz bleibt

geeignete Punkte:

  • MP 3 und 6 stärken Milz und Magen
  • MP 10 + Moxa: stärkt die Milz in ihrer Kontrolle über das Blut, hält das Blut in den Gefäßen
  • MP 1: beendet Blutungen durch Milz-Stärkung  
  • Ma 36: stärkt Magen- und Milzfunktion, stärkt die Qi- und Blutbildung und –  
  • zirkulation 
  • KG 12: stärkt Milz- und Magen-Qi 
  • Bl 20 und 21 stärken Milz- und Magen-Qi, besonders bei chronischem Mangel  
  • Bl 17: hält das Blut in den Gefäßen

Niere

Stärkung der Niere, um Yin (und Yang) für den Körper bereit zu stellen:

geeignete Punkte:

  • Bl 23 und Ni 3: stärken die Niere und deren Yin 
  • Ni 6 und Ni 9: stärken die Niere, vor allem Yin
  • Ni 10:stärkt die Niere, leitet Hitze aus
  • Ni 2:entfernt Mangel-Hitze aus der Niere (Hauptpunkt!), senkt aufsteigendes Leber-Yang ab
  • KG 4 stärkt das Nieren-Yin und Essenz Jing
  • MP 6: stärkt Nieren- und Leber-Yin

Darm

um bei einer Futterrehe die Verdauung zu harmonisieren, muss vor allem die Milz gestärkt werden (s.o.)

zusätzlich muss man die Därme durchgängig machen und die Stuhlentleerung fördern.

geeignete Punkte:

  • Di 4, MP 15, SJ 6 fördern die Stuhlentleerung
  • Ma 25: fördert die Eingeweidefunktionen, reguliert deren Qi
  • Ma 36: stärkt die Dickdarmfunktion
  • Ma 37 stärkt als unterer He-Meerpunkt des Dickdarms dessen Funktion
  • Ma 39: stärkt als unterer He-Meerpunkt des Dünndarms dessen Funktion
  • Bl 27: stärkt die Dünndarmfunktion
  • Bl 25: stärkt die Dickdarmfunktion
  • KG 4: beseitigt Blockaden im Darm

Ödeme (der Lederhaut)

Bei entzündlichen Ödemen handelt es sich um so genannte Yang-Ödeme.

Hierbei kann es sich um folgende Disharmonien handeln:

Wind-Wasser dringt in die Abwehr-Schicht ein

plötzlich einsetzende Ödeme

Fieber

Abneigung gegen Kälte

Muskelschmerzen

Harnretention

Schleimhäute normal

Puls oberflächlich, langsam

Therapie: Oberfläche befreien, Wind vertreiben, Wasserwege öffnen, das Verteilen der Flüssigkeiten durch die Lunge stärken

geeignete Punkte:

Di 4, 3E5, Lu 7, Bl 12, Bl 13 befreien die Oberfläche, vertreiben Wind und stellen die

verteilende und absenkende Funktion der Lunge wieder her.

Ni 6, LG 26, Di 4, Ma 36, GB 41, Di 11 sind klassische Punkte bei Ödemen von

Gesicht und Vorderextremitäten verbunden mit Fieber

LG 26 sedieren, KG 9 mit Moxa behandeln: bewährte Indikation bei Ödemen der oberen Körperhälfte

Di 6 öffnet die Wasserwege und leitet akute Ödeme von Vordergliedmaßen und Gesicht aus.

Di 10 ist ein wichtiger lokaler Punkt zur Beseitigung von Ödemen derVordergliedmaßen

Ma 36 harmonisiert Nähr- und Abwehr-Qi und beseitigt Flüssigkeiten aus dem Raum zwischen Haut und Muskulatur

 

Feuer-Toxin

Ödeme in verschiedenen Körperregionen, Ulzera

Zunge: rot, klebriger Belag

Puls: schlüpfrig, schnell

Therapie: Lunge und Milz tonisieren, Nässe ausleiten, Hitze beseitigen, Feuer-Toxin auflösen

geeignete Punkte:

KG 12 und Bl 20 tonisieren die Milz und lösen so Nässe und Ödeme auf

KG 9, Ma 28 und Bl 22 fördern die Umwandlung der Flüssigkeiten und lösen Ödeme auf

MP 9 löst Nässe auf

Lu 7 stimuliert das Verteilen der Flüssigkeiten durch die Lunge

Bl 13 tonisiert das Lungen-Qi

Di 11 löst Feuer-Toxin auf


Nässe-Hitze

Ödeme der Beine, auch Bauchödeme

dünne, glänzende Haut

Durst ohne Verlangen zu trinken

spärlicher, dunkler Harn

Zunge: klebriger, gelber Belag

Puls: schlüpfrig, schnell

Therapie: Nässe auflösen, Hitze beseitigen

geeignete Punkte:

Di 11 löst Nässe-Hitze auf, beseitigt Hitze

KG 9 fördert die Umwandlung von Flüssigkeiten und die Trennung des Klaren vom

Trüben, löst Ödeme auf

Bl 22, Ma 28, MP 9 und MP6 lösen Nässe-Hitze im Unteren Erwärmer auf (evtl. bei Rehe der Hinterbeine)

 

Blutungen (in die Lederhaut):

  • durch Hitze: Hitze verletzt die Blut-Verbindungsgefäße und bringt das Blut dazu, aus den Gefäßen auszutreten. Das Blut kann hell- oder dunkelrot sein und fließt meist reichlich.

Schleimhäute dunkelrot, Puls voll, evtl. schnell

Therapie: Hitze ausleiten

einige geeignete Punkte (sedierend nadeln):

He 7: klärt Mangel-Hitze und Blut-Hitze, stärkt das Herz-Blut

Lu 11: vertreibt Wind-Hitze

Di 11: beseitigt Hitze, kühlt das Blut, reguliert das Blut

SJ 5: Hitzezustände, verteilt das Qi auf alle Leitbahnen

Bl 57: klärt Blut-Hitze, bewegt das Blut

Bl 40: beseitigt Hitze, kühlt das Blut, beseitigt Blut-Stagnation

GB 31: vertreibt Wind-Hitze, reguliert Qi und Blut

Le 3: kühlt Blut-Hitze, beseitigt Blut-Stagnation, fördert den Leber-Qi-Fluss

 

  • durch Blut-Stase: das Blut stagniert in den Gefäßen und Verbindungsleitbahnen. Durch das ständig nachfließende Blut kommt es zu einer starken Stauung und das Blut tritt aus den Gefäßen. Das Blut ist dunkel und klumpig. Der Austritt des Blutes ist immer mit Schmerzen verbunden. Blut-Stagnation ist fast immer die Folge von Qi-Stagnation. Diese muss also immer mitbehandelt werden!

Häufig ist die Leber von Blut- und Qi-Stagnation betroffen.

dunkle Schleimhäute, dunkle, manchmal violette Zunge, Puls saitenförmig oder rau

Therapie: Blut und Qi bewegen, Stase auflösen, Blut beruhigen

einige geeignete Punkte:

Bl 40: beseitigt Blut-Stagnation, beseitigt Hitze, kühlt das Blut

Bl 57: bewegt das Blut

KG 6: zirkuliert das Blut im ganzen Körper

MP 6: aktiviert Qi- und Blutfluss, stärkt das Yin, nährt das Blut

MP 10: reguliert das Blut

MP 21: bewegt das Blut in den kleinen Verbindungsgefäßen

GB 31: reguliert Qi und Blut, vertreibt Wind-Hitze

GB 34: fördert den Leber-Qi-Fluss

Le 3: beseitigt Blut-Stagnation, kühlt Blut-Hitze, fördert den Leber-Qi-Fluss

Di 4: macht die Meridiane und Netzgefäße durchgängig, leitet Obstruktionen aus

 

  • durch (Milz) Qi-Mangel: das Milz – Qi ist zu schwach, um das Blut in den Bahnen zu halten. Das Blut sieht frisch und hellrot aus. Meist fließt es spärlich.

blasse Schleimhäute, schwacher Puls

Therapie: Milz-Qi stärken

einige geeignete Punkte (tonisierend nadeln):

KG 12, Ma 36, MP 6, Bl 20, Bl 21: stärken das Milz-Qi

MP 10: stärkt die Milz-Funktion, holt das Blut in die Gefäße zurück

MP 4: tonisiert Milz- und Magen, kontrolliert die Blut-Verbindungsleitbahnen

und stillt subkutane Blutungen

MP 3: Yuan-Quellpunkt der Milz

MP 1: Moxibustion! Stärkt die Funktion der Blut-Kontrolle. Nur bei Blutungen

mit Leere-Charakter!

 

  • durch Yin-Mangel, Leere-Hitze: das Yin-Qi ist schwach und kann das Blut nicht in den Bahnen halten. Zusätzlich schädigt die Leere-Hitze die Blut-Verbindungsbahnen und lässt das Blut aus den Gefäßen austreten. Das Blut ist frisch und scharlachfarben, fließt aber spärlich.

Therapie: Yin stärken, Leere-Hitze vertreiben, Blut beruhigen

einige geeignete Punkte (tonisierend nadeln):

Bl 23: nährt Nieren-Yin und  Yin allgemein

KG 4: tonisiert Blut und Yin

MP 6: stärkt das Yin, nährt das Blut, aktiviert Qi- und Blutfluss

He 6: stärkt das Herz-Yin und –Blut, klärt Mangel-Hitze

He 7: klärt Mangel-Hitze und Blut-Hitze, stärkt das Herz-Blut

Ni 3: nährt das Nieren-Yin, kühlt Mangel – Hitze

Ni 6: nährt das Nieren-Yin, kühlt das Blut

Le 8: nährt das Leber-Yin

Di 11 und MP 10 kühlen das Blut und stillen Blutungen

Ni 2 und Le 3 kühlen das Blut

 

Bei allen Syndromen:

Bl 17: Meisterpunkt des Blutes, reguliert das Blut (nur nadeln, nicht moxen)

Lu 9: Meisterpunkt der Blutgefäße, reguliert die Mikrozirkulation


Fallbeispiel:Pony mit rezidivierender Konjunktivitis

Mittwoch, 9. September 2009

Das Pony Lucky ist ein Shetty-Welsh-Mix, Rappschecke, ca. 1,10 m groß, Wallach und ca. 28 Jahre alt.

Er ist für sein Alter sehr fit, wird sogar noch von einem Kind im Gelände spazieren geritten.

Lucky ist ein eher ängstliches und Fremden gegenüber sehr zurückhaltendes Pony. Er lässt sich ungern anfassen. Streicheleinheiten der Besitzerin „erduldet“ er kurz, wandert dann aber schnell weiter. Er ist recht ruhelos.

Er war immer schwerfuttrig, jetzt ist er aber recht mager, obwohl er viel frisst. Er bekommt hauptsächlich Heucobs und Mineralfutter, knabbert aber auch noch Heu und Gras.

Ich hatte ihn im Frühjahr 2007 schon einmal wegen Konjunktivitis mit Akupunktur behandelt. Nach zwei Behandlungen waren damals die Symptome abgeklungen. Danach traten bis April 2009 keine Symptome mehr auf.

Im Juni 2009 war es aber wieder akut geworden: das linke Auge war geschwollen, teilweise zugeschwollen, tränte, sonderte teilweise auch gelblichen Schleim ab und die Bindehäute waren stark gerötet. Das rechte Auge sah von außen normal aus, aber auch hier waren die Konjunktiven gerötet. Lucky versuchte auch, sich die Augen zu scheuern.

Der Zustand des Auges wechselte sehr schnell, mal war es dick, eine halbe Stunde später war es ohne irgendeine sichtbare Änderung oder gar Behandlung wieder besser.

Die Besitzerin hatte auch schon einen Tierarzt kommen lassen, der eine Kortisonsalbe verschrieben hatte, die aber keine große Besserung gebracht hatte.

Da die Akupunkturbehandlung beim letzten Mal so gut angeschlagen hatte, akupunktierte ich auch dieses Mal.

Die Untersuchung ergab folgendes:

Puls etwas straff, gespannt.

Druckdolente Shu-Punkte: Bl 18, 19, 20 beidseits.

Schleimhäute in Maul / Nase etwas gerötet.

Das Pony war unruhig, wollte sich ungern anfassen lassen, trat später beim nadeln auch.

 

Therapieprinzip:

aufsteigendes Leber-Yang absenken, Wind ausleiten

Behandlung im 3. Umlauf, Shao Yang, Jue Yin

 

Therapie:

Ma 2, GB 1 als lokale Punkte

GB 20 leitet Wind aus

Le 2 gegen zum Kopf aufsteigendes Leber-Yang, Bezug zum Auge

SJ 1 hat als Ting-Punkt Bezug zum Endpunkt, Bezug zum Auge, leitet pathogene Faktoren aus

SJ 23 als lokalen Punkt

Pe 6 harmonisiert die Leber, ausgleichender Punkt

 

Eine Woche später kam ich zur nächsten Behandlung.

Das Auge war deutlich besser geworden, tränte noch etwas, aber es gab keinen gelblichen Ausfluss mehr. Auch das rechte Auge tränte und war manchmal etwas geschwollen.

Der Puls war diesmal tief und langsam.

Die Schleimhäute waren etwas gerötet.

Das Pony war immer noch berührungsempfindlich und wehrte sich gegen die Behandlung.

Zusätzlich war das Präputium stark ödematös geschwollen, was laut Besitzerin ab und zu vorkam.

Shu-Punkte: Bl 18, 19, 20 und 23 links, Bl 23 rechts.

 

Da jetzt auch noch der Shu-Punkt der Niere dazugekommen war und auch der Shu-Punkt der Milz weiterhin druckdolent war, nadelte ich folgende Kombination:

GB 20 leitet Wind aus

Le 2 gegen zum Kopf aufsteigendes Leber-Yang, Bezug zum Auge

SJ 1 hat als Ting-Punkt Bezug zum Endpunkt, Bezug zum Auge, leitet pathogene Faktoren aus

SJ 23 als lokalen Punkt

Pe 6 harmonisiert die Leber, ausgleichender Punkt

 

Ma 2, GB 1 als lokale Punkte

GB 25 Mu-Punkt der Niere

Le 13 Mu-Punkt der Milz

SJ 1, SJ 23 (s.o.)

MP 9, wichtiger Punkt zur Beseitigung von Feuchtigkeitsretention

 

Auf diese Weise konnte ich in meinem 3. Umlauf bleiben, hatte mit wenigen Punkten Milz und Niere mit einbezogen, hatte lokale und Fernpunkte und einen Yin-Yang-Ausgleich.

Die Milz liegt dem SJ in der Organuhr gegenüber, kann deswegen das Perikard ersetzen.

Die Milz ist zwar ein weiterer Meridian der Hintergliedmaße, aber er passte wegen der Vertreibung der Feuchtigkeit besser ins Bild, als ein Punkt auf Pe.

 

Eine Woche später folgte noch einmal die Gleiche Sitzung, dann warteten wir ab, denn die Augen sahen gut aus, tränten nur ab und zu noch etwas.

 

Etwa drei Wochen später kam wieder ein Anruf: die Augen waren wieder geschwollen. Der Zustand wechselte aber ständig: mal waren sie fast zugeschwollen, Minuten später wieder offen. Mal tränten sie, mal eben nicht.

Das ist „Wind“, da der Wind wechselnde Symptome verursacht.

 

Es folgen zwei weitere Akupunktursitzungen, bei denen ich Wind ausleitete und Milz und Niere stärkte. Die Wirkung der Akupunkturen hielt jeweils etwa eine Woche an, dann begann das Spiel von neuem. Nicht sehr befriedigend also.

Ich musste mir etwas anderes einfallen lassen und beschloss, die Behandlung homöopathisch weiterzuführen.

 

Ich repertorisierte folgende Symptome:

Allgemeines- Abwechselnde Zustände

Gemüt – Berühren – Abneigung berührt zu werden

Gemüt – Reizbarkeit

Gemüt – Ruhelosigkeit

Auge – Entzündung Bindehaut

Auge – Schwellung

Männliche Genitalien – Schwellung – Wassersüchtig

 

Das Ergebnis war:

Apis, Ars., Cham., Bell., Rhus tox.

 

Ich entschied mich für Arsenicum album.

Lucky bekam das Mittel als LM 6 Potenz, jeden 2. Tag 5 Tropfen.

Die Augen schwollen schon nach der ersten Gabe ab. Nach etwa 3 Wochen wurde das Mittel langsam ausgeschlichen, also erst jeden 3. Tag eine Gabe, dann jeden 4. Tag usw.

Im September 09 bekam ich einen Anruf der Besitzerin, die berichtete, dass Luckys Augen weiterhin in Ordnung seien.

Fachchinesisch

Donnerstag, 9. Juli 2009

Viele Tierheilpraktiker beschäftigen sich mit der traditionellen chinesischen Medizin, oder Teilen davon.

Fachbegriffe wie Yin, Yang, Qi, Xue, Jing usw. werden selbstverständlich benutzt, doch werden sie auch richtig ausgesprochen?

Schon für das Wort „Xue“, also „Blut“ kannte ich verschiedene Aussprache-Versionen von „Ksü“ über „Ksueh“ bis hin zu „Ksjö“. (Leider alles falsch…)

Um endlich Klarheit zu bekommen, nahm ich an einer Seminarreihe „Chinesisch für CM-Therapeuten“ an 3 Wochenenden teil. Diese war außerordentlich interessant und lehrreich!

 

Da die chinesischen Schriftzeichen für die westliche Welt unlesbar sind, hat man 1957 eine westliche Standardübersetzung geschaffen, das „Hànyǔ Pīnyīn Fāng’àn“ („Programm zur Fixierung der Laute im Chinesischen“),  kurz „Pinyin“ genannt. In dieser werden alle Schriftzeichen in eine Art Lautsprache übersetzt. Nun darf man aber nicht den Fehler machen, sie einfach „deutsch“ zu lesen. (S. o. das Beispiel „Xue“). Es gibt feste Ausspracheregeln, die die Sache für westliche Menschen erleichtern. In der hochchinesischen Sprache (Mandarin) gibt es 411 Silben.

Aus diesen kann man jedes chinesische Wort „zusammenbauen“.

Chinesisch ist eine so genannte „Tonsprache“, bei der es sehr auf die Betonung der einzelnen Silben ankommt! Es gibt 5 verschiedene Töne.

  • Der erste Ton wird mit einem geraden Strich über der Silbe angegeben: „mā“. Er wird etwas gesungen, auf einer Tonhöhe gehalten und etwas lang gezogen.
  • Der zweite Ton wird mit einem „accent aigu“ bezeichnet: „má“. Die Stimme steigt von einer mittleren Stimmlage in eine höhere, wie bei einer Frage (wie?)
  • Der dritte Ton wird mit einem umgekehrten „accent circonflexe“ bezeichnet, also „mǎ“. Die Stimme sinkt von der mittleren Tonhöhe ab und steigt wieder, als ob man überrascht „echt?“ sagt.
  • Der vierte Ton wird mit einem „accent grave“ bezeichnet:  „mà“. Der Ton sinkt schnell von oben nach unten ab, als ob man schimpft (Nein!“)
  • Der fünfte Ton ist „tonlos“ und passt sich dem vorausgehenden Ton an. („ma“)

Betont man eine Silbe falsch, hat das Wort sofort eine völlig andere Bedeutung!

Das Wort „Yin“, das wir in der TCM benutzen, muss z.B. im ersten Ton ausgesprochen werden. Spricht man es im zweiten Ton aus, kann es „sittenwidrig, zügellos“ heißen.

Ein beliebtes Beispiel für die Bedeutung der Töne ist folgender Satz:

māma mà mǎ ma?  妈 妈 骂 马 吗?

Er bedeutet: Schimpft die Mutter mit dem Pferd?

 

Im Folgenden habe ich einige oft gebrauchte Fachbegriffe mit ihrer Aussprache aufgeführt.

 

deutscher Begriff / Pinyin-Ausdruck / Aussprache   

Akupunktur / zhen /dschen („dsch“ wie in  „Dschungel“, „e“ stimmlos)

Moxibustion / jiǔ / djou

keine Übersetzung  / yīn / iin (am Anfang langes „i“)

keine Übersetzung  / yáng  / iang

keine Übersetzung /qì /tji („tj“ wie bei „tja“)

Essenz  /  jīng  / djing

Blut  /xuè / chüä („ch“ wie in „ich“ mit etwas scharfem ß)

Körperflüssigkeiten / jīn yè  / djin iä

Holz  / mù / mu

Feuer / huǒ / chuo („ch“ wie in „ach, „o“ wie in „offen“)

Erde / tǔ / tu

Metall, Gold / jīn /djin

Wasser / shuǐ / schuei  (ei wie in engl. way“)

Leber /gān /gan

Herz /xīn / chin („ch“ wie in „ich“ mit etwas scharfem ß)

Pericard /xin bao /chin bau („ch“ wie in „ich“ mit etwas scharfem ß)

Milz /pí / pi

Lunge /fèi /fei („ei“ wie in engl. „way“)

Niere /shèn /schen

Gallenblase / dǎn / dan

Dünndarm /xiǎo cháng /chiau tschang („ch“ wie in „ich“ mit etwas scharfem ß)

Dreifacher Erwärmer / sān jiāo / san djiau

Magen / wèi /uei  (ei wie in engl. „way“)

Dickdarm /dà cháng /da tschang

Blase /páng guāng /pang guang

Wind /fēng / (f und ähnlich wie franz. „un“)

Hitze /rè /”r” zwischen englischem „r“ und „dsch“, e stimmlos)

Feuchtigkeit / shī / sche („e“ kaum gesprochen, tonlos)

Trockenheit /zào / dsau

Kälte / hán / chan („ch“ wie in „ach“)

 

Bei weiterem Interesse sind folgende Internetseiten hilfreich und informativ:

http://www.hello-han.com/ch-education/yinjieku/hanziyinjieku-en.php

Dort  kann man die Silben in Pinyin und ihre Aussprache ansehen und anhören. Man kann sich aussuchen, ob die Silben von einer männlichen oder einer weiblichen Stimme gesprochen werden. Über die Buchstabenleiste und später über „weiter“ erreicht man jede beliebige Silbe. Klickt man auf die Silbe, wird sie vorgesprochen.

http://www.chinesisch-lernen.org/

http://de.wikipedia.org/wiki/Pinyin

Für alle die nun „Blut geleckt“ haben empfiehlt sich das Buch „Wortschatz Chinesische Medizin“ von Li Tian und Anton Lachner, Urban&Fischer Verlag. Es ist unglaublich ausführlich und beinhaltet eine CD, auf der alle Begriffe vorgesprochen werden.

Viel Spaß beim Üben!

Anja Niklas-Krajewski

Tierheilpraktikertage in Hohenroda – ein Rückblick

Montag, 6. Juli 2009

Jeden Sommer veranstaltet die Kooperation deutscher Tierheilpraktikerverbände e.V. die Tierheilpraktikertage, die seit einigen Jahren im Tagungshotel Hohenroda stattfinden.

Gestern bin ich von dort voller neuer Ideen und Anregungen und vollgestopft mit neuem Wissen zurückgekehrt.

Für mich und ich denke auch für den allergrößten Teil der anderen Besucher waren die 3 Tage nicht nur informativ und lehrreich, sondern einfach auch wunderschön!

Der Freitag begann mit dem Eröffnungsvortrag von Herrn Dr. Beck über das Gedächtnis des Wassers. Auch wenn bei mir und bestimmt bei vielen anderen Zuhörern (den ratlosen Gesichtern in meinem Umfeld nach zu schließen…) die chemischen und biophysikalischen Erklärungen das Basiswissen deutlich überstiegen, schaffte es Herr Dr. Beck uns mit dem Thema zu fesseln und eine andere Sichtweise über Materie und Schwingungen zu vermitteln. Wussten Sie z.B., dass Sie zu über 90% aus „Nichts“ bestehen, genau wie der Bildschirm, in den Sie jetzt schauen? Und dass Ihre Hypophyse im gleichen Rhythmus schwingt, wie die Erde?

Das Hauptthema der Tagung war „Allergien“ und die meisten Vorträge am Samstag und Sonntag befasste sich mit diesem Thema:

Vortrag "Schüsslersalze in der Allergiebehandlung"Allergien aus schulmedizinischer und aus ganzheitlicher Sicht, Behandlung von Allergien mit Homöopathie, Homotoxikologie, Bachblüten, Schüsslersalzen, Heilpilzen usw.

Außerdem gab es noch Vorträge über diagnostische Verfahren, wie Dunkelfeldmikroskopie, Aschoff-Testverfahren, Bioresonanztestung, Laboruntersuchung und viele mehr.

Es gab Vorträge über Nahrungsmittelunverträglichkeiten beim Hund, Herzdiagnostik beim Pferd, Pulsdiagnostik in der TCM und, und, und.

Sie sehen, es war wirklich für jeden etwas Interessantes dabei! Und jeder konnte etwas lernen, ob sie/er nun schon seit 20 Jahren praktiziert, oder gerade erst die Ausbildung begonnen hat.

Es gab viele bekannte und eher unbekannte Vortragende, alle boten ein immenses Wissen und professionelle Vorträge. Alle waren freundlich und hilfsbereit und beantworteten wirklich geduldig jede Frage ihres Publikums.

In der Industrieausstellung, einer richtigen kleinen Naturheilkunde-Messe,Industrieausstellung  boten Firmen ihre Produkte von Nahrungsergänzungsmitteln über Fachbücher, bis hin zu Bioresonanzgeräten und Lasern an. Auch in dieser Ausstellung konnte man sich viel Wissen von den netten und kompetenten Ausstellern aneignen und interessante Produkte erwerben.

Ein Highlight ist auch wirklich jedes Mal das Essen! (Hier werden alle Seminarteilnehmerinnen von mir, die in den letzten Wochen hier waren, lachen, denn ich bin anscheinend derart  über das Buffet ins Schwärmen gekommen, dass man mutmaßte, ich würde nur deshalb zu den THP-Tagen fahren…)

Es gibt 3x am Tag ein Buffet vom Allerfeinsten und nachmittags noch Kaffe und Kekse! (Also besser vorher und nachher fasten!) Gegessen wird an großen, runden Tischen. Hier mischen sich bei jedem Essen die Gruppen, so dass man wirklich sehr viele Menschen kennen lernt.

Und jetzt komme ich zu dem dritten Punkt, warum Hohenroda für mich einer der  Höhepunkte des Jahres ist: der „gesellschaftliche Teil“.

Wenn man schon mehrmals in Hohenroda war, ist es immer ein sehr schönes Erlebnis, die „alten Bekannten“ der letzten Jahre wieder zu sehen und neue Menschen kennen zu lernen. Aber auch die Alleinreisenden, die das erste Mal dort waren, waren begeistert, wie nett und komplikationslos sie in die Gemeinschaft aufgenommen wurden.

Es wird erzählt, Erfahrungen, Sorgen und Erfolgserlebnisse ausgetauscht und sehr viel gelacht. Viele Vortragende und Aussteller sitzen mitten in den Gruppen und oft kommt es noch zu interessanten Diskussionen, oder man genießt einfach nur gemeinsam den schönen Abend.

Ich habe immer das Gefühl, dort in einer großen, freundlichen Familie zu sein.

Abends kann man draußen im Biergarten sitzen (was bei den diesjährigen Temperaturen auch gerne angenommen wurde) oder in die „berüchtigte“ History-Bar gehen, wo zu späterer Stunde auch jedes Mal getanzt wird. Aber Vorsicht! So manche/r war am nächsten Morgen nicht mehr wirklich fähig, die ersten Vorträge aktiv mitzuerleben… J

Da hilft dann aber, vor dem Frühstück ein paar Bahnen im hauseigenen Swimmingpool zu schwimmen.

Leider und viel zu schnell sind die Tage nun vorbei und ich freue mich schon sehr auf das nächste Jahr! Vielleicht konnte ich ja einige Leser neugierig machen, und dazu bewegen, auch einmal nach Hohenroda zu kommen.

Im nächsten Jahr finden die THP-Tage vom 18. bis 20.06.09 statt. Das Thema ist „Stoffwechsel“. Weitere Informationen zu den diesjährigen und den kommenden THP-Tagen finden Sie unter

http://www.kooperation-thp.de/tierheilpraktikerTage.htmlwunderschöner Morgenblick aus unserem Fenster

Sie können mich auch gerne in meinen BTB-Sprechzeiten (Di 17.00 bis 18.00 Uhr und Mi 9.00 bis 10.00 Uhr) anrufen, wenn Sie zum Thema THP-Tage oder auch natürlich zu anderen Fachthemen Fragen haben. 

Anja Niklas-Krajewski