Archiv für Juni 2009

Eine (wahrscheinliche) Gallenkolik

Samstag, 20. Juni 2009

Ich werde abends telefonisch zu einem Hausbesuch in eine Studentenwohngemeinschaft gebeten. Die Patientin liegt auf dem Sofa im Gemeinschaftsraum, bleich im Gesicht und stöhnt. Sie liegt auf der Seite, mit angezogenen Beinen und drückt sich ein Kissen gegen den Bauch. Sie hätte schon einmal eine Gallenkolik gehabt und wahrscheinlich wäre das wieder so etwas. Die Schmerzen gibt sie als krampfartig an und sie hätte ein Gefühl wie ein eisernes Band um den Bauch.
Mir wird nicht viel Zeit zur Behandlung bleiben, wahrscheinlich werde ich in einigen Minuten den Notarzt rufen müssen, so denke ich.

Bei mir habe ich das Kent-Repertorium, die Boericke-Arzneimittellehre und meine homöopathische Hausapotheke mit D-30-Globulis.

Der krampfartige Bauchschmerz, die Besserung durch Druck (Kissen) und Beugen (angezogene Beine). Beim Bandgefühl gibt es im Kent den Hinweis auf “Zusammenschnüren”.

Das Repertorisationsergebnis ist eindeutig.

gallenkolik1

Auch die Arzneimittellehre bestätigt: Colocynthis passt! Ich verabreiche einige D-30-Globuli und warte ab….

….nichts geschieht, keine Reaktion, außer, dass die Koliken noch häufiger zu kommen scheinen.

Ob ihr denn noch kalt wäre, frage ich. Kalt wäre ihr eigentlich immer, antwortet sie. Ich entschließe mich, ihre blasse Gesichtsfarbe und ihre Neigung zum Frieren mit in den Fall einfließen zu lassen. Die Patientin gibt noch an, dass ihr das Kissen zu dem wohltuenden Druck auch noch Wärme spenden würde.

gallenkolik2

Ich gebe ihr Magnesium phosphoricum D30.

Zwei Minuten später ist die Patientin wieder auf den Beinen, als wäre nichts geschehen. Vollkommen beschwerdefrei, aber mit großem Hunger, setzt sie sich an den Küchentisch und isst zu Abend.

Eigentlich unglaublich, aber wahr.

Die rote Nasespitze, Teil 3 – oder die unglaubliche Wirkung der Homöopathie

Samstag, 20. Juni 2009

Der Fall mit der roten Nasenspitze geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich habe den Patienten noch einmal befragt. Er hat mir bestätigt, dass dieses Symptom bis heute nicht mehr aufgetreten ist.

Da hat ein Patient Schmerzen an der Nasenspitze mit Rötung, und da gibt es tatsächlich ein homöopathisches Mittel, welches in der Lage ist, nach innerem Gebrauch (also nicht durch lokale Einreibung!) exakt diese Beschwerden an der Nasenspitze zu heilen. Ist das nicht gewaltig? Gibt es ein besseres Beispiel für die prompte und ungemein zielgerichtete Wirksamkeit homöopathischer Arzneien?

Wohlgemerkt, Aethusa, der Gartenschierling – das betreffende homöopathische Heilmittel – wirkt in seiner substantiellen Form eigentlich nur tödlich giftig. Es erzeugt Krämpfe und Atemlähmungen bis hin zum Tod – und keine rote Nasenspitze. Aber Aethusa homöopathisch aufbereitet erzeugt in der Arzneimittelprüfung beim Gesunden die Arten von lokalen Nervenentzündungen und Verkrustungen, die imstande sind, die Nasenspitze rot anlaufen zu lassen.

Die Arzneimittelprüfungen von Aethusa wurden schon Anfang des 19. Jahrhunderts durchgeführt, von Stapf, Hartlaub, Trinks, Jahr: alles Kollegen und Mitstreiter Hahnemanns. Zu den Nasensymptomen bemerkten die Prüfer:
“Ausschläge an der Nasenspitze. Herpetischer Ausschlag an der Nasenspitze. Geschwürsschmerz in der Vertiefung der linken Nasenseite, als wenn eine offene Stelle dort wäre.” Entnommen aus Seideneder, “Heilmittelarchiv”

Vithoulkas, einer der bekanntesten Homöopathen der heutigen Zeit gibt in einem seiner (unautorisiert mitgeschriebenen) Seminare eine Geschichte über die besondere Wertigkeit dieses Nasensymptoms von Aethusa zum Besten:
“Ein weiteres charakteristisches Schlüsselsymptom ist ein Hautausschlag auf der Nasenspitze. Ich hatte in Indien einen bekannten Gelehrten zu behandeln. Einige Monate vorher hatte ich ihn bei seinen Vorlesungen gesehen, und mir war sein entsetzlich altes Aussehen aufgefallen. Er war total erschöpft, litt an einer chronischen Bronchitis und unwillkürlichem Urinabgang. Keine Symptome auf der emotionalen oder geistigen Ebene. Alles perfekt. Ich unterhielt mich einige Stunden mit dem Patienten: keine Symptome, nur ein Ausschlag an der Nasenspitze fiel mir auf. Der Mann sah dem Tode nahe aus und ich erinnerte mich an den Ausdruck Kents, dass das Gesicht bei Aethusa vom Tode gekennzeichnet sei. Das alte Aussehen, das Gesicht dem Tode nahe, der Ausschlag auf der Nasenspitze – ich kam zu der Überzeugung, dass es sich in diesem Fall nur um Aethusa handeln könne. Damals war ich noch kein erfahrener Homöopath und es war das erste Mal, dass ich Aethusa verordnete, aber es war ein voller Erfolg.” Aus dem Skript von Faust/Hyronymus “Essenzen homöopathischer Heilmittel nach G. Vithoulkas”


Dr. Vithoulkas möge mir die Zitierung aus dieser Quelle verzeihen, aber das ist einfach zu interessant….

Valeriana, Humulus, Melissa – das ist ja beruhigend!

Samstag, 20. Juni 2009

Es gibt viele Heilpflanzen, die in dem Ruf stehen, eine beruhigende und entspannende Wirkung hervorrufen zu können:
Da haben wir z.B. den Schlafmohn und den Cannabis. Sie haben allerdings erhebliches Suchtpotenzial  und sind im Betäubungsmittelgesetz gelistet. Der Gebrauch als Beruhigungsmittel verbietet sich somit.

Papaver, der Schlafmohn, enthält so viele verschieden wirkende einzelne Wirkstoffe mit jeweils spezifischen Eigenschaften, dass eine nähere Beschreibung der Einzelalkaloide hier zu weit führen würde.

Cannabiswirkstoffe haben einzigartige Wirkungspotenziale, die viel wertvoller als ihre sedierenden Eigenschaften sind: so z.B. die appetitfördernden und allgemein vitalisierenden Wirkungen in der Krebstherapie. Das hat sich aber in der schulmedizinischen Therapie bisher noch kaum durchgesetzt, obwohl die spezifischen Eigenschaften von Cannabis seit Jahrtausenden bekannt und auch bestens erforscht sind. Der Grund hierfür dürfte in der geistigen Enge großer Kreise der Ärzteschaft zu suchen sein. Die völlig unzureichende und internationalen Vergleichen nicht standhaltende ärztliche Schmerztherapie in Deutschland ist ein weiteres Beispiel für die z.T. großen Probleme der Schulmedizin in Deutschland in dieser Hinsicht.

Aber gehen wir weiter auf die Suche nach Pflanzen mit beruhigenden Wirkungen, nach mite-Therapeutika, die wir entweder selbst anpflanzen oder uns rezeptfrei aus der Apotheke besorgen können:

Für mich sind die 3 wichtigsten:
-    Baldrian
-    Hopfen
-    und Zitronenmelisse.

Baldrian (Valeriana officinalis)
Von allen dreien hat Baldrian die stärkste sedierende Wirkung, ist aber auch aus diesem Grund zum häufigen oder gar dauerhaften Gebrauch nicht geeignet. Bei gelegentlich auftretenden Einschlafproblemen ist er aber durchaus angezeigt und tut sicher seine Wirkung. Ratsam ist die Einnahme der Tinktur. Die Wirkung tritt schneller ein als bei Dragees und der schlechte Geschmack, für den der Baldriantee bekannt ist, wird vermieden.

Hopfen (Humulus lupulus)
Auch ohne Bier wirkt der Hopfen beruhigend. Gleichzeitig lösen seine Bitterstoffe bei geschwächten Patienten eine willkommene Tonisierung aus: Appetit und Verdauung werden angeregt und die Durchblutung gefördert. In der Genesungsphase nach einer Erkrankung ist der Hopfen das Beruhigungsmittel der Wahl.

Zitronenmelisse (Melissa officinalis)
Die Zitronenmelisse hat beruhigende Eigenschaften mit spezieller Wirkungsrichtung auf das Herz und die Nerven. Der Herzschlag wird abgesenkt und nervöse Spannungen aufgelöst. Es ist das geeignete mite-Therapeutikum, um “runterzukommen”, z.B. abends nach einem Vortrag oder nach angeregten Unterhaltungen. Und wenn eine Tasse Melissetee nicht ausreicht, dem sei ein Melisse-Vollbad empfohlen. Melissenextrakte für die Badewanne gibt es in jeder Apotheke. Die Wirkung ist durchschlagend. Bitte nicht in der Badewanne einschlafen!

Omega 3 – Fettsäuren: die “Diskussion” geht weiter

Mittwoch, 3. Juni 2009

In meinem letzten Beitrag gab ich die neusten Ergebnisse einer groß angelegten Studie über die Wirkungen und Grenzen der Omega 3 -Fettsäuren wieder. Anlass war ein Bericht der Ärzte Zeitung:

“Jetzt haben neuste Untersuchungen gezeigt, dass es bei der gefäßprotektiven Wirkung aber auch Grenzen gibt. Bei Patienten, die an schwerer koronarer Herzerkrankung leiden und medikamentös gut eingestellt sind, wirken Omega 3 – Fettsäuren nicht noch zusätzlich positiv. Die medikamentöse Einstellung besteht aus mehreren Faktoren:
- Betablocker
- blutdrucksenkende Mittel
- Acetysalizylsäure zur Blutverdünnung und
- Statine zur Cholesterinsenkung.”

Es vergingen nur ein paar Tage, und heute bringt  das Ärzte-Zeitung-Telegramm einen Artikel, der prompt die Gegenposition einnimmt.

Sind also Omega 3 – Fettsäuren doch eine optimlae Ergänzung zu den Statinen? Müssen wir jetzt – coronargefährdet wie wir alle sind, zu der täglichen Handvoll Tabletten auch noch mengenweise Fischölkapseln schlucken? Natürlich in Kombination mit den hochdosierten orthomolekularen Präparaten, die im Trend liegen und die wir ja nicht auslassen dürfen. Was? Der Verdauungstrakt kann die ganzen Mittel gar nicht mehr verarbeiten, die Leber reagiert empfindlich? Na, da haben wir doch noch die zuätzlichen Silymarin-Kapseln, aber bitte auch hochdosiert und mehrmals am Tag!

Nein, Spaß beiseite, das Thema eignet sich eigentlich nicht für eine Satire. Also hier der Artikel. Ich habe mir erlaubt, Auszüge daraus wiederzugeben:

“Ergänzen Fettsäuren die Statintherapie?
Fischölkapseln könnten wegen der Omega-3-Fettsäuren eine Ergänzung der Statintherapie sein.

Von Werner Stingl

MÜNCHEN. Fischölkapseln mit Omega-3-Fettsäuren sind in der Sekundärprävention kardiovaskulärer Erkrankungen eine optimale und unbedenkliche Ergänzung zu Statinen. An dieser Überzeugung des Internisten, Kardiologen und klinischen Pharmakologen Professor Gustav Belz aus Wiesbaden haben auch aktuelle Studienergebnisse vom Kardiologenkongress in Mannheim nichts geändert.

Die American Heart Association würdigt die mehrdimensional kardioprotektiven Eigenschaften von langkettigen Omega-3-Fettsäuren……, wonach in der Sekundärprävention eine tägliche Zufuhr von im Mittel 0,5 g bis 1,8 g der langkettigen Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) anzustreben sind. Da eine solche Menge über die Ernährung nur schwer zu sichern ist, riet Belz zur Supplementierung mit studiengeprüften Fischölkapseln. (!!)

……Belz gab allerdings zu bedenken, dass in der Studie die Zeit zu kurz oder die Patientenzahl zu gering gewesen sein könnte, um vor dem Hintergrund einer wirklich optimierten konventionellen Therapie den Nutzen einer zusätzlichen Therapie mit Omega-3-Säuren zu belegen.(!!)”

Natürlich kann man die benötigten Mengen Omega-3 Fettsäure niemals einfach nur mit der Nahrung zu sich nehmen – wo kämen wir denn da hin. Da müssen wir schon Fischölkapseln kaufen. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Auch Untersuchungen und Beiträge aus dem Themenbereich “Ernährung” und “Nahrungsergänzungsmittel” werden gerne von Firmen gesponsort….

Krämpfe statt wohltuender Wirkung

Dienstag, 2. Juni 2009

Ich erinnere mich an eine unschöne Geschichte aus dem vergangenen Sommer. Damals habe ich einige frische Stengel mit Blättern und Trieben von der Zitronenmelisse und der Marokkanischen Minze grob abgerissen und mit nach Hause genommen. Damit habe ich mir dann abends einen Tee aufgebrüht. Nachts wachte ich mit ziemlich starken Magenkrämpfen auf. Ich habe gedacht, das können nur Verunreinigungen mit der Ackerwinde ausgelöst haben.

Seitdem achte ich immer ganz besonders darauf, dass sich keine Beimengungen von Ackerwinden im frisch gepflückten Pflanzengut befinden. Die jungen Triebe der Ackerwinden sind in frischem Pflanzenmaterial nur äußerst schwer auszumachen.

Jetzt habe ich einmal recherchiert, was es mit der Wirkung der Acker- oder Zaunwinde so auf sich hat. Man erzählt sich ja die abenteuerlichsten Geschichten von den Wirkungen der Windenpflanzen (z.B. halluzinogene Wirkung).

Roth, Daunderer, Kormann, “Giftpflanzen – Pflanzengift”, ein Standardwerk. Und was schreiben die über CALYSTEGIA SEPIUM?

“Vergiftungserscheinungen: Laxierende Wirkung (abführend)

Gefährlichkeitsgrad: Wenig giftig.”

Na, das war ja wohl nichts. Die Zaunwinde ist ja gar nicht so gefährlich, wie ich angenommen habe. Da muss es wohl einen anderen Grund für meine damaligen nächtlichen Magenkrämpfe gegeben haben. Aber ich will in Zukunft doch einmal weiter auf die Suche nach einheimischen Giftpflanzen gehen, die imstande sind, Heilpflanzenbeete zu “kontaminieren”.

Bild 1: Die Ackerwinde versucht, alles im Garten zu überwuchern.

Bild 2: Die Ackerwinde schlingt sich um die Marokkanische Minze.

Bild 3: Auch die Zitronenmelisse bleibt nicht verschont.

ackerwinde-gros-kleine-datei

ackerwinde-auf-marrokanischer-minze-kleine-datei

ackerwinde-auf-zitronenmelisse-kleine-datei

Share |
BTB | Burger Straße 221 | 42859 Remscheid | Tel.: 02191 - 93 15 93 | Fax: 02191 - 93 15 59 | E-Mail: kontakt@btb.info