Synthesis-Repertorisation
Reizdarm mit chronisch rezidivierender Diarrhoe
Männlicher Patient, hat seit Jahren immer wiederkehrende Zustände von akutem Durchfall. Auf mein Nachfragen, ob er bemerken würde, dass gewisse Lebensmittel die Symptomatik hervorrufen würden, verneint er. Außer bei Knoblauch, den er eigentlich sehr gern isst, da würde seine Verdauung prompt reagieren.
Es lassen sich nur wenige differenzierte Symptome eruieren:
Wenn er seine Durchfallattacken bekommt, hat er so laute Darmgeräusche, dass es anderen Menschen in seiner Umgebung auffällt. Der Stuhl ist dünnflüssig, fauliger Geruch. Die Stuhlfarbe ist bräunlich-grünlich. Das ist nicht viel, was an Lokalsymptomatik notiert werden kann.
Gibt es irgendwelche Begleitsymptome? Schmerzen, Schwäche, Unruhe, Schweißausbruch oder irgendetwas anders Auffälliges? Er verneint. Auch von der Gemütssymptomatik her keine Besonderheiten.
Wir haben als Symptomatik:
- Dünner, flüssiger Stuhl
- Fauliger Stuhlgeruch
- Laute Darmgeräusche
- Stuhlfarbe bräunlich-grünlich: Die Rubriken “bräunlich-grünlich” oder “braun-grün” sind nicht verzeichnet, also entscheide ich mich für “grün”, da dies als Stuhlfarbe im Gegensatz zu “braun” die Besonderheit darstellt.
Hinweis:
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Mit der Auswertung der Repertorisation lässt sich nicht viel anfangen: viele Mittel stehen (rein rechnerisch) dicht nebeneinander. Also schaue ich mir die Arzneien der drei erstgenannten Mittel an: Natrium sulfuricum, Podophyllum und Sulfur.
In der Materia Medica von Boericke enthält Podophyllum die meisten Hinweise auf Durchfallsymptome, es scheint ein regelrechtes “Durchfallmittel” zu sein. Ich schaue mir auch das Bild von Podophyllum in der Arzneimittellehre von Hering nach (C.Hering, Leitsymptome usnerer Materia Medica). Dort sind allein 4 Seiten der Rektum- und Stuhlsymptomatik von Podophyllum gewidmet.
Ich frage den Patienten, ob er mir nicht weitere Symptome seiner Durchfallerkrankung liefern kann. Gibt es vielleicht noch spezielle Besonderheiten? Vielleicht wechselt sein Durchfall sich ab mit Verstopfungszuständen, und wie steht es mit der Menge des flüssigen Stuhls. Darufhin meint er, wenn er auf dem “stillen Örtchen” säße, würde der Durchfall mit viel Luft herausspritzen, dass er immer viel Arbeit hätte, mit der Toilettenbüste das Klo von innen zu reinigen. Das ist ihm überhaupt nicht angenehm, die Geräuschentwicklung… und alles andere.
Hering: “Stühle….wäßrig….reichlich…spritzen heraus…mit Blähungen…”
Ich gebe Podophyllum D30 Globuli, eine Wiederholungsgabe nach 1 Woche.
Danach haben sich die Beschwerden deutlich gebessert, nur noch selten Tendenz zur Diarrhoe – und wenn, dann nicht so dramatisch.
Rolf Meyer
Schlagworte: Homöopathische Fallrepertorisationen, Reizdarmsyndrom, Synthesis







Ich studiere Pflegewissenschaft an der Uni Wien und schreibe meine Diplomarbeit zum Thema: Wie erleben Patienten mit RDS das Phänomen des imperativen Stuhldrangs.
Bin an Interviews – kann auch via email/chat/blog erfolgen interessiert.
Könnten Sie mich unterstützen??
LG
Susi Ninaus-Meznik
Hallo Frau Ninaus-Meznik,
leider kann ich keine weitergehende Unterstützung zusagen, da ich die Patientenfälle inkognito darstellen muss. Außerdem ist das der einzige Fall dieser Art aus meinen Patiendateien.
Ich wünsche Ihnen trotzdem viel Erfolg für Ihr Vorhaben.
LG
Rolf Meyer